„Im Gedanken bei euch“ - S04-Trauer um Manni Drexler

Fünf Jahre lang spielte er von 1979 bis 1984 in Königsblau, viele Jahre war er Servicemann von adidas bei der deutschen Nationalmannschaft. Am vergangenen Mittwoch (4.10.) ist Manfred Drexler im Alter von 66 Jahren verstorben.

Manni Drexler

Zu den Königsblauen kommt Drexler in einem auch in den späten Siebzigern schon eher gestandenen Fußballalter. Profierfahrung hat der Mittelfranke bereits beim 1. FC Nürnberg und Darmstadt 98 gesammelt. Nun soll der Mittelfeldspieler mit Beginn der Saison 1979/1980 bei Schalke 04 dazu beitragen, den Sprung ins internationale Geschäft zu schaffen. Doch gleich nach dem Start wird Drexler aus dem Verkehr gezogen – per TV-Beweis. Im Spiel gegen Bayern München hat sich der Neuzugang gegen den am Boden liegenden Wolfgang Kraus zu einem Tritt hinreißen lassen. Drei Monate Sperre waren die Folge. „Eine schlimme Zeit“, erinnerte sich Drexler später. „Die Titelseiten der Zeitungen sahen lange so aus: links Lady Di, rechts ich.“

Nicht nur persönlich wird es für Drexler turbulent, auch Schalke 04 begibt sich auf Berg- und Talfahrt. Im April 1980 Pokalhalbfinale, im Juni 1981 abgestiegen. 1982 freudetrunkener Wiederaufstieg mit 67.000 Zuschauern im letzten Saisonspiel gegen die Spielvereinigung Fürth, im Frühjahr 1983 wieder Kampf um den Klassenerhalt. Drexler erzielt wichtige Tore: Sein Kopfball zum 1:0 bei Bayern München ist am vorletzten Spieltag nicht nur Zünglein an der Waage im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Dank des unverhofften Sieges rettet sich der S04 in die Relegation. Doch gegen den Zweitligisten Bayer Uerdingen sind die Schalker in zwei Partien unterlegen: Drexlers Ehrentreffer zum 1:3 in Krefeld macht Hoffnung, sein Führungstreffer im Rückspiel im Parkstadion egalisiert fast den Rückstand, doch nach dem 1:1-Ausgleich ist der S04 erneut abgestiegen.

Die Schalker Saison in der 2. Liga entwickelt sich aus vielerlei Gründen zu eine außergewöhnlichen. Es betreten die Bühne im Parkstadion: Spielmacher Bernd Dierßen, Linksverteidiger Michael Jakobs, Linksaußen Klaus „Boxer“ Täuber und der 17-jährige Olaf Thon. Im Unterhaus beginnt Schalke zu zaubern. Heimspiele gegen Darmstadt 98 und den SC Freiburg werden mit 6:0, gegen Hannover 96 mit 5:1, Wattenscheid 09 mit 5:2, gegen Fortuna Köln mit 6:2 gewonnen. Kapitän des Teams ist Manfred Drexler, dessen spielerische Eleganz wunderbar ins Team passt. „Mir hat dieses Jahr ungeheuer Spaß gemacht. Mit einem Olaf Thon zu spielen, bei dem du wusstest: Der ist erst 17 Jahre, aber der wird ein ganz großer“, erinnert sich Drexler später.

Er selbst erzielt 11 Tore in 28 Pflichtspielen, das sehenswerteste vielleicht im Heimspiel gegen Fortuna Köln am 3. Dezember 1983: Dierßen lupft einen Freistoß über die Mauer, um die sich Drexler bereits herumgeschlichen hat. Der Kapitän lässt den Ball lässig von der Brust abtropfen und drischt ihn in einer Bewegung zum 3:0 unter die Querlatte. Gerade 26 Minuten sind gespielt.

Im Pokalviertelfinale bei Hertha BSC am 2. März 1984 hat Drexler ebenfalls ein Tor erzielt, als er bei einer weiteren Großchance mit Berlins Torhüter Gregor Quasten zusammenprallt: „Ich habe ihn kommen sehen, war aber nicht mehr frisch genug, um auszuweichen“, so Drexler. Der Knöchelbruch und ein Knorpelschaden im Fußgelenk beendet nicht nur seine Karriere, sondern macht ihm später erheblich zu schaffen. „Ich laufe quasi ohne Dämpfung und muss darauf achten, dass ich mein Gewicht halte.“ Beim legendären 6:6 im DFB-Pokalhalbfinale gegen Bayern München wenige Wochen nach dem Unfall ist er daher bereits nur Zuschauer.

Drexler macht trotzdem auch später noch eine gute Figur, vor allem als Servicemann von adidas bei der deutschen Nationalmannschaft. Hier begleitet er den Weltmeisterschaftstriumph 1990 und den EM-Sieg 1996 oder die Vizeweltmeisterschaft 2002. Auf Schalke baut er einen engen Draht zu Zeugwart Enrico Heil auf.

Besonders freut sich Drexler, wenn er bei Treffen der Ehemaligen dabei ist: 2014, als man sich zum 30. Jahrestag des 6:6 gegen die Bayern trifft. Oder 2016 und 2017, obwohl Drexler da schon von seinem Krebsleiden gezeichnet ist. Beim letzten Ehemaligentreffen vor dem letzten Heimspiel der abgelaufenen Saison gegen den Hamburger SV kommt er am 13. Mai 2017 noch einmal ins Stadion.

Wie sehr er sich Schalke verbunden sieht, zeigt diese kleine Episode. Ende Oktober 2016, Revierderby in Dortmund. 30 Minuten vor dem Anpfiff klingelt das Handy eines Mitarbeiters: Manfred Drexler ruft an. Ob etwas Schlimmes passiert sei? sorgt sich der Mitarbeiter. „Nein“, antwortet Drexler, „aber ich weiß doch, dass du im Stadion bist. Ich drücke euch die Daumen. Im Gedanken bin ich bei euch.“ Nicht nur die Schalker die ihn kannten und – noch besser – spielen sahen, sind nun in Gedanken bei Manfred Drexler.

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