Trauer um Günter Eichberg

Er war eine schillernde Persönlichkeit, die Verdienste Günter Eichbergs um den FC Schalke 04 sind indes nicht zu bezweifeln. Nun ist der ehemalige Präsident des Clubs am Sonntag (22.7.) nach langer Krankheit im Alter von 72 Jahren gestorben.

Vielleicht ist der Ausspruch von Charly Neumann einfach nur pointiert. Aber wenn es so ist, dass der S04 „nicht mal mehr Geld für Waschpulver für unsere Trikots“ hat, ist der Ernst der Lage im Januar 1989 unmissverständlich umrissen. Hinzu kommt: Nur drei Tage nach seiner Wahl ist der neue Präsident Michael Zylka schon wieder zurückgetreten. Auf Schalke herrscht Chaos.

Günter Eichberg, ehemals Geschäftsführer einer Krankenkasse und nun vermögender Besitzer eines Klinikimperiums, tritt nicht nur an, Königsblau zu retten, sondern um aus Schalke 04 wieder eine große Nummer zu machen und nicht wie so mancher Traditionsclub von der großen Fußballbühne zu verschwinden. Mit seinem Tatendrang schafft er eine Aufbruchstimmung, wie sie der Club lange nicht erlebt hat und wie sie sich die Fans ersehnt haben. Als 67.000 am vorletzten Spieltag der Saison 1988/1989 im Parkstadion feiern, gilt die rauschende Party nach dem 4:1-Sieg gegen Blau-Weiß Berlin nicht etwa dem Aufstieg, sondern dem mühsam abgewendeten Sturz in die Drittklassigkeit.

Nicht nur die Zuschauerzahlen steigen in der Folge kontinuierlich, auch was die Mitgliederstatistik anbelangt, setzt der Präsident nachhaltig wirksame Impulse. Mit dem Vorstand entscheidet er, Mitgliedern ermäßigte Dauerkarten anzubieten. Während seiner Amtszeit von Januar 1989 bis Oktober 1993 schnellen die Zahlen von ungefähr 6000 hoch auf mehr als 16.000. Der erste rasante Anstieg der Mitglieder-Kurve ist die Eichberg-Welle.

Der sportliche Aufstieg hingegen gelingt im zweiten Anlauf, dafür aber umso souveräner. Als Zweitliga-Meister 1991 kehrt der S04 zurück ins deutsche Oberhaus. Weiter aufwärts soll der Weg führen, gen Europa am liebsten. Allerdings entpuppt sich der Alltag in Liga eins als ein beschwerlicher, unter großen Anstrengungen gelingt den Knappen 1992 der Klassenerhalt, im Folgejahr Tabellenplatz zehn.

Die Erwartungen sind groß, aber auch Unerfahrenheit und Ungeduld führen dazu, dass der Weg nicht wie von Eichberg erträumt, gleich ganz steil nach oben geht. Anderseits finden in dieser Zeit Spieler den Weg nach Gelsenkirchen, die auf Schalke noch Geschichte schreiben werden. Mit Jens Lehmann, Andreas Müller, Yves Eigenrauch und Ingo Anderbrügge gehören vier spätere Eurofighter zur Aufstiegsklasse von 1991. Später folgen noch Thomas Linke, Mike Büskens und Jiri Nemec.

Auch eine seiner letzten Verpflichtungen wird sich als Glücksgriff erweisen und Schalke wenige Jahre später den Pfad ebnen, den Eichberg stets verfolgte: Der Präsident holt Rudi Assauer im April 1993 zurück. Doch Weggefährten sind sie nur temporär. Nach einem desaströsen Saisonstart 1993/1994 rutscht Königsblau ans Tabellenende. Gerade erst hat Jörg Berger auf der Trainerbank Helmut Schulte abgelöst, da überrascht Günter Eichberg Schalke am 17. Oktober 1993 auf ein Neues. Diesmal mit seinem Rücktritt.

Der FC Schalke 04 wird Günter Eichberg stets ein ehrendes Andenken bewahren.

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