Ein Jahr danach: Höwedes besucht Trauergruppe in Haltern

Haltern, die Heimatstadt von Benedikt Höwedes, steht damals wie heute im Mittelpunkt der schrecklichen Ereignisse vom 24. März 2015.

Verewigen kann er ihn auf einem Wimpel bei seinem Besuch in einer der Trauergruppen für Kinder und Jugendliche, die seit dem tragischen Unglück vor nunmehr einem Jahr durch Mechthild Schröter-Rupieper von der Gelsenkirchener Lavia Trauerbegleitung e.V. geleitet werden. Zum Jahrestag des Absturzes der Germanwings-Maschine, bei dem am 24. März 2015 insgesamt 151 Menschen ihr Leben verloren, werden bunte Wimpelketten das Rathaus und die Schule in Haltern schmücken.

„Ihr könnt alle auf tolle und starke Geschwister, Eltern und Freunde blicken, die Euch für immer sicher in ihren Herzen tragen!“ Mit diesem Gruß gedenkt Benedikt Höwedes den verstorbenen Schülerinnen und Schülern des Joseph-König-Gymnasiums in Haltern.

Haltern, die Heimatstadt des Schalker Kapitäns, steht damals wie heute im Mittelpunkt dieser Tragödie, weshalb es dem Weltmeister besonders wichtig ist, die Trauergruppe kurz vor dem ersten Jahrestag zu besuchen.

„Ein bisschen angespannt und aufgeregt war ich schon, weil ich nicht wusste, was mich erwartet“, gibt Höwedes zum Ende seines Besuches auf Nachfrage vor den Geschwistern und Freunden der Opfer zu. Dabei hätte er nicht nervös sein müssen, denn es war ein sehr berührender und schöner Abend, der gebürtige Haltener wurde mit offenen Armen empfanden. Was er damals dachte, als er von dem Unglück erfuhr, fragen sich viele in der Gruppe.

Am Tag nach dem Flugzeugunglück stand ein Länderspiel gegen Australien an, aber in Gedanken war Höwedes, wie viele andere auch, mit den tragischen Ereignissen beschäftigt. „Du hast ein Schild hochgehalten“, erinnert sich Finn (12), der Schwester und Cousine verloren hat und mit seinen beiden Cousins die Trauergruppe besucht. „Ich hab mir das später bei YouTube angesehen“, berichtet er. „Haltern trauert“ ist auf dem Schild zu lesen, dass der Schalker Kapitän bei der Nationalhymne in die Kamera hielt. „Ich wollte irgendetwas machen, um meiner Trauer Ausdruck zu verleihen, ich musste die ganze Zeit weinen“, erinnert sich Höwedes.

Mit Weinen und Trauer kennt man sich hier aus, alle wurden gezwungenermaßen zu Experten. Umso leichter fällt es auch Außenstehenden, offen über ihre Gefühle zu sprechen, alle machen es leicht, denn keiner wird „dumm“ angeschaut. Ob man wohl den schönsten Tag im Leben gar nicht mehr erleben konnte, wenn man so jung stirbt? Gibt es so was überhaupt: den schönsten Tag im Leben? Hier diskutieren sie darüber. Für Jakob (11) ist die Sache klar: „Meine Schwester hat ihren schönsten Tag erlebt, als wir mit unseren Eltern und meiner anderen Schwester Emma in Paris waren.“ Wenn er so begeistert berichtet, ist man sich sicher, dass er Recht hat, es wühlt auf und tröstet doch zugleich.

Die Nachricht hat mich damals tief getroffen. Ich konnte es überhaupt nicht fassen.

Auch Höwedes berichtet von seinem schönsten Tag, seiner Hochzeit im vergangenen Sommer, aber auch von Verlusten und Ängsten, schwierigen Situationen, mit denen jeder zu kämpfen hat. „Mir ist natürlich nicht so etwas schlimmes zugestoßen wie euch und euren Angehörigen“, wiegelt er ab. Doch alle merken, auch ein Profifußballer hat Sorgen und Nöte, über die man vielleicht sonst nicht gerne in aller Öffentlichkeit spricht – heute, hier, geht das.

Finn hat bald wieder Geburtstag, einen Tag nach dem Jahrestag. „Schrecklich war es im letzten Jahr“, erinnert er sich, um direkt hinterher zu schieben, dass es ja völlig klar sei und angesichts der Tragödie ganz normal und nicht schlimm. Er wird 13 Jahre alt und wirkt ungewöhnlich reif und nachdenklich, er bringt die Dinge auf den Punkt, kann seine Gefühle klar benennen – denn das lernen sie hier seit einem Jahr, sich selbst und den anderen zu helfen, mit ihrer Trauer zu leben.

Über zwei Stunden haben sie mit Höwedes über solche Themen gesprochen, Fußball war nicht Hauptbestandteil, aber taucht doch immer wieder auf, denn er gehört zum Leben. Es gehörte auch zum Leben der Verstorbenen und so hält Finn neben seinem Trikot, das er vom Weltmeister aus Haltern unterschreiben lassen möchte, auch eine weiße Grabkerze hin. Darauf ein Foto von seiner Schwester mit seiner Cousine – „sie waren wie beste Freundinnen“ – gemeinsam mit Höwedes. Noch so ein letzter Gruß.

„Alle wissen, dass ich aus Haltern komme. Ich bin oft hier, meine Familie und Freunde leben hier“, leitet er ein. Die Heimatstadt sei klein, „man kennt sich vom Sehen. Die Nachricht hat mich damals tief getroffen. Ich konnte es überhaupt nicht fassen.“

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