Gedenkstättenfahrt nach Oswiecim

Vom 10. bis zum 12. November hat sich das Schalker Fanprojekt in Kooperation mit der Abteilung Fanbelange und Schalke hilft! auf eine Bildungsreise in Erinnerung an die jüdischen Mitglieder der Schalker Vereinsfamilie sowie weitere jüdische Bürger aus Gelsenkirchen nach Oswiecim (Auschwitz) begeben. Insgesamt 25 Schalker Fans sowie fünf Mitarbeiter des Schalker Fanprojekts und des FC Schalke 04 nahmen an der Fahrt teil.

Vorbereitung und Kennenlernen

Bereits im Oktober trafen sich die Teilnehmer zu einem Vorbereitungsseminar in der Glückauf-Kampfbahn, um mehr über das jüdischen Leben in Gelsenkirchen die nationalsozialistische Vergangenheit der Stadt zu erfahren. Sie erarbeiteten die Lebensläufe des jüdischen Widerstandskämpfer Leo Yehudah Diament, des jüdischen Metzgers Leopold Sauer, der als Förderer des FC Schalke 04 Ernst Kuzorra den Führerschein bezahlte, sowie Dr. Paul Eichengrün, jüdischer Zahnarzt und bis 1933 Zweiter Vorsitzender des FC Schalke 04. Im Anschluss besuchten sie die neue Synagoge in Gelsenkirchen. Dabei gab Judith Neuwald-Tasbach, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen, den Teilnehmern einen ergreifenden Einblick in das jüdische Leben während und nach der NS-Zeit geben.

„Der FC Schalke 04 als einer der größten Vereine in Deutschland ist sich seiner enormen Strahlkraft und damit einhergehend seiner sozialen Verantwortung bewusst. Daher möchten wir mit dieser Fahrt ein Zeichen für eine aktive Erinnerungskultur und gegen das Vergessen setzen“, betont Sven Graner, Fanbeauftragter des FC Schalke 04.

Stadtrundgang

Nach der Ankunft in Oświęcim am Freitag erkundeten die Teilnehmer zunächst die Stadt und besuchten den jüdischen Friedhof. Anschließend besichtigte die Gruppe das Museum von Oświęcim, das das jüdische Leben in der Stadt zeigt, das durch den Einmarsch der Nazis in Polen fast ausgelöscht wurde. Ein Stadtführer erklärte: „Das ist nicht Auschwitz, das ist Oświęcim. Ein Ort, der während des Zweiten Weltkriegs seinen polnischen Namen verlor. Ein Ort mit über 500 Jahren jüdischer Geschichte, die im Jahr 2000 mit dem letzten Juden starb. Vergesst nicht, dass ihr hier wart. Denn nur wer weiß, was verloren gegangen ist, kann den Verlust begreifen.“

Stammlager Auschwitz I

Am Folgetag besuchte die Gruppe aus Gelsenkirchen das Stammlager Auschwitz I, das die Besucher mit dem bekannten wie zynischen Spruch „Arbeit macht frei“ empfing. Über Kopfhörer erhielten die Teilnehmer Informationen über das Lager, anschließende besuchten sie das Krematorium, in dem die Nazis Millionen von Leichen verbrannten. Der Rundgang endete mit einem Museumsbesuch, in dem ein Buch mit über vier Millionen Namen ausliegt – die Namen der Opfer. Die Gelsenkirchener begaben sich auf die Suche nach jüdischen Opfern aus der eigenen Stadt und fanden außerdem den Namen des jüdischen Schalker Spielers Ernst Alexander.

Reflektion in der Jugendbegegnungsstätte

Um die Eindrücke besser einordnen zu können, fanden die Teilnehmer anschließend in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oświęcim/Auschwitz zu Reflektionsrunden zusammen. Diese seien wichtig, um dem Erlebten Raum zu geben und es zu verarbeiten, erklärt Martin Weijers vom Schalker Fanprojekt: „Innerhalb der Gruppe ist es unglaublich hilfreich, von dem Tag zu erzählen und zu sehen, dass man nicht alleine ist mit seinen Emotionen. Dass hat eine ganz besondere Dynamik hier unter den Schalkern.“

Auschwitz II Birkenau und Gedenken an die Opfer

Am dritten Tag reiste die Gruppe nach Auschwitz II Birkenau. Der Name ist abgeleitet vom polnischen Dorf Brzezinka, in dem das Konzentrationslager entstand und das Zentrum der nationalsozialistischen Massenvernichtung wurde. Vor Ort gedachten die Schalker der Opfer des Grauens. An der sogenannten „Judenrampe“ erinnerten sie an die verfolgten und ermordeten jüdischen Gelsenkirchener, deren Geschichten sie vor ihrer Reise kennengelernt hatten. „An diesen Ort kamen viele ehemalige Schalker, Vereinsmitglieder und Gelsenkirchener an. Wir haben zu Ihrem Gedenken weiße Kieselsteine niedergelegt. Stellvertretend für alle Opfer des Zweiten Weltkriegs“, erzählt Sven Graner, Fanbetreuer des FC Schalke 04.

Abschlussreflektion

Am letzten Tag der Fahrt traf sich die Gruppe zu einer Abschlussreflektion. „Zahlen auf einem Blatt Papier sind sehr staubig anzuschauen, aber das hier gesehen zu haben, berührt und hat in vielen Menschen sehr viel ausgelöst“, resümiert Weijers. Ein Teilnehmer beschreibt: „Das Auge hat es gesehen, aber der Verstand hat es noch nicht realisiert.“

Seite teilen

Das könnte dich auch interessieren

20181211_Schalkehilft!

First Togetherness: Schalke hilft! unterstützt Initiative gegen Gewalt

Zum Champions League-Heimspiel des FC Schalke 04 gegen Lok Moskau (11.12.) empfing Schalke hilft! Christoph Rickels und seine Initiative „First Togetherness“. Der 31-Jährige wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Doch anstatt sich in seine Opferrolle zurückzuziehen, kämpfte er sich ins Leben zurück und setzt sich nun für Toleranz und gegen Gewalt ein.

klinikbesuche_08

S04-Profis überraschen kranke Kinder und Jugendliche

Eine schöne Tradition in der Vorweihnachtszeit wurde auch in diesem Jahr gepflegt. Im Namen der vereinseigenen Stiftung Schalke hilft! besuchte die Mannschaft des FC Schalke 04 am Mittwoch (5.12.) die Kinderkrebsstation des Universitätsklinikums Essen sowie die Kinder- und Jugendklinik in Gelsenkirchen-Buer.

181130_schule_porto

S04-Delegation besucht Deutsche Schule zu Porto

Einen ganz besonderen Besuch erlebten 300 Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule zu Porto am Mittwoch (28.11.) – eine sechsköpfige Delegation des FC Schalke 04 hatte sich im Vorfeld des Auswärtsspiels beim FC Porto auf den Weg in den Stadtteil Boavista gemacht.

Instruktor Kai Cropped

FCSA: FC Schalke 04 und Bayer Leverkusen gemeinsam in Indien

Vier Jahre nach dem Abschluss der Young Coach-Ausbildung in Mumbai kehrte die Football Club Social Alliance in der Woche vom 19. bis zum 24. November mit Instruktoren des FC Schalke 04 und Bayer Leverkusen nach Indien zurück. In einem viertägigen Follow-up frischten sie das Trainerwissen der Young Coaches auf, die damals die Kinderfußballtrainer-Ausbildung mit der FCSA abgeschlossen hatten. Gleichzeitig erfuhren die Instruktoren, was aus den Absolventen und ihrer Arbeit mit Kindern in den Armenvierteln geworden ist.