Neue Ruhestätte für einen Meisterspieler: Ernst Poertgen kehrt heim

Ernst Poertgen war Schalkes Torjäger der legendären Kreisel-Elf. Mit 59 Treffern in 59 Gauligapartien, seiner Spielübersicht, seiner Raffinesse sowie seiner Sprung- und Schusskraft trug er viel zu Schalkes Erfolgen in den 1930er-Jahren bei. Am 30. Oktober 1986 verstarb die Vereinslegende, die infolge eines Unfalls einige Jahre vor ihrem Tod ein Bein verloren hatte, und wurde auf dem Friedhof Bonn-Beuel Platanenweg bestattet.

Grab von Ernst Poertgen

Dank des Engagements von Olivier Kruschinksi (Vorstand der Stiftung Schalker Markt), Ender Ulupinar (Geschäftsführer Schalker Fan-Feld), der Gebrüder Malte und Martin Suttmeyer (Bestattungen Suttmeyer) sowie des FC Schalke 04 ist Ernst Poertgen nun heimgekehrt. Am Samstag (8.5.) wurde der einstige Torgarant zurück nach Gelsenkirchen gebracht und von seiner Bonner Ruhestätte umgebettet in das Schalker Fan-Feld in Sutum.

Bodo Menze und Klaus Fischer bei der Poertgen-Gedenkfeier

Knapp 35 Jahre nach seinem Tod wurde damit ein würdevoller Erinnerungsort in seiner alten Heimat geschaffen. Denn: Bonn ist längst nicht mehr der Lebensmittelpunkt der Familie Poertgen, eine regelmäßige Grabpflege konnte von den Nachfahren nicht mehr gewährleistet werden. Zudem lief die Pacht für die letzte Ruhestätte des einstigen Schalker Helden ab. Die Erinnerung an den „Pöttinger“ sollte aber nicht verblassen.

Olaf Thon erinnert an Poertgens Wirken

Die Umbettung fand aufgrund der aktuell geltenden Corona-Beschränkungen in kleinem Kreis statt. Neben Mitgliedern der Familie nahmen mit Olaf Thon und Klaus Fischer, ebenso wie Poertgen königsblaue Legenden, Ehrenpräsident Gerhard Rehberg, Bodo Menze (langjähriger Leiter der Knappenschmiede und Head of International Relations), Sebastian Buntkirchen (Direktor Fans & Vereinsangelegenheiten) und Dr. Christine Walther (Leiterin Vereinsangelegenheiten) auch einige Repräsentanten des FC Schalke 04 an der Zeremonie mit Pfarrer Ernst-Martin Barth teil.

Olaf Thon spricht über Ernst Poertgen

Olaf Thon erinnerte in einer Ansprache in der Friedhofskapelle an das Leben und Wirken Poertgens. Musikalisch untermalt wurden die Erinnerungen an den einstigen Schalker Helden von Norbert Labatzki. Anschließend wurde der Sarg von sechs Trägern zum Fan-Feld gebracht und in die Erde gelassen. Auf dem einzigartigen Friedhof im Schatten der VELTINS-Arena liegt Poertgen nun im Mittelkreis – in unmittelbarer Nähe zu seinem ehemaligen Mannschaftskameraden „Ala“ Urban.

Königsblauer Torjäger in den 1930er Jahren

Ernst Poertgen war in den erfolgreichen 1930er-Jahren die personifizierte Tor-Garantie der Königsblauen. Der am 25. Januar 1912 in Altenessen geborene Offensivmann erzielte im Schnitt ein Tor pro Spiel. Zudem verstand er es, seine Nebenmänner immer wieder in Szene zu setzen.

Der Ausnahmekicker, der über den BV Altenessen 06, Schwarz-Weiß Essen und den 1. FC Nürnberg am Schalker Markt gelandet war, lief in sieben Endspielen für den S04 auf. Nachdem Poertgen aufgrund seines Wechsels im Frühjahr für das Meisterschaftsendspiel 1934 noch gesperrt gewesen war, sollte er in den folgenden Jahren ganz entscheidend die Zeit der Schalker Triumphe mitprägen. Mit seinen wichtigen Toren – bis heute gilt Poertgen als einer der effektivsten Mittelstürmer aller Schalker Zeiten – verhalf er den Knappen zu zwei erfolgreichen Meisterschaften (1935/1937) und dem ersten Doublesieg (1937) der deutschen Fußballgeschichte. Zudem absolvierte der torgefährliche Knappe in dieser Zeit auch drei Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft, in denen ihm fünf Treffer gelangen.

Poertgen und Schalke – das passte von Anfang an. Nach seinem Wechsel von der Noris an die Emscher hatte er die technisch anspruchsvolle und lauffreudige Spielweise des Schalker Kreisels schnell verinnerlicht. Damit es in der königsblauen Offensive nicht zu Irritationen kam, wurde Ernst Poertgen von seinen Mannschaftskameraden „Pöttinger“ getauft. Ernst Kuzorra erhielt den Rufnamen „Clemens“, Ernst Kalwitzki hörte auf „Kalli“.

Erst seine große Liebe trennte den gemeinsamen Weg, den Spieler zog es ins Rheinland. Poertgen hatte 1937 Maria, eine Wirtstochter aus Bonn, geheiratet. Sein privates Glück sorgte dafür, dass er ein Jahr pendelte, aufgrund des großen Aufwands die Knappen dann 1938 aber schweren Herzens verließ. In Bonn schloss sich Poertgen dem FV an, ehe ihn der Militärdienst nach München verschlug, wo er für Wacker drei Jahre lang das Trikot überstreifte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Bonn zurück und eröffnete zusammen mit seiner Frau einen Hotelbetrieb.

Bis zu seinem Tode schlug sein Herz für den FC Schalke 04. Regelmäßig besuchte Poertgen immer wieder seine alten Kameraden rund um die Glückauf-Kampfbahn und hielt dem Verein stets die Treue.

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