1899 Hoffenheim: Läuft

Gegen den 1. FSV Mainz 05 schaffte 1899 Hoffenheim vergangene Woche seinen ersten Rückrundensieg. Saisonal betrachtet könnte man sagen: Es läuft. Allerdings rückwärts. Und bergab.

Die ersten Vorboten hießen Niklas Süle und Sebastian Rudy, die sommers zum FC Bayern München aufstiegen, sowie Jeremy Toljan, den es zu Borussia Dortmund zog. Ohne funktionierenden Ersatz verpassten es die Kraichgauer, den Lohn für Platz vier aus der Vorsaison einzufahren. In der Qualifikation zur Champions League scheiterten sie mit zwei Niederlagen am FC Liverpool, die Trostrunde Europa League endete im November abrupt.

Wenngleich es sich die obere Riege der Bundesliga-Tabelle punktetechnisch kuschelig gemacht hat, liegt die TSG nicht nur hinter sieben Mitbewerbern, sondern deutlich unter den eigenen Ansprüchen. Der Wind fegt dieser Tage kälter als sonst durch Sinsheim, und er richtet sich erstmals gegen Julian Nagelsmann. So beklagte der Coach kürzlich die Maße der Fallhöhe zwischen umjubeltem Wunderknaben und abgenutztem Übungsleiter. War der 30-Jährige vor nicht langer Zeit medial bereits zum FCB gesungen worden, scheint diese Abzweigung auch wegen der suboptimalen Europa-Auftritte seines Teams inzwischen versperrt.

Sandro Wagner hat den Weg noch gefunden. Der Nationalstürmer ist im Winter dem bayerischen Lockruf erlegen und kehrte zurück zu seinem Jugendverein. Derweil hat der ausgeliehene Serge Gnabry bereits angekündigt, sich kommende Saison erneut in München empfehlen zu wollen. Auch Mark Uth hat bereits Fakten geschaffen: Der mit aktuell neun Toren treffsicherste TSG-Stürmer wird im Sommer ablösefrei zum S04 wechseln.

„Es müssen nicht immer die Stürmer richten“, betonte Nagelsmann angesichts des Exodus, doch der Allgemeinzustand der Abteilung Attacke gab die meiste Zeit mannigfaltig Anlass zur Sorge. Kerem Demirbay fehlt als Ordner in der Offensive wochenlang wegen eines malträtierten Sprunggelenks. Andrej Kramaric hingegen fiel zuletzt im Duell bei Hertha BSC auf, als er seinem Teamkollegen Nadiem Amiri vor einem Elfmeter den bereits zurechtgelegten Ball vom Punkt kickte, um selbst anzutreten. Immerhin saß der Schuss, was dem kriselnden Kroaten den ersten Treffer nach mehr als 1000 Spielminuten einbrachte und ihn motivierte, gegen Mainz 05 zwei weitere nachzulegen.

Lediglich vier Siege hat die TSG Hoffenheim in 18 aufeinanderfolgenden Pflichtspielen gezählt. Pluspunkte abseits des Rasens konnten die Offiziellen auch keine beitragen. In der Geschäftsstelle scheint ein Schwelbrand unterwegs. Erst vor acht Monaten hatte der neu installierte Geschäftsführer Hansi Flick einen Vertrag über fünf Jahre unterzeichnet, begleitet von wohltemperierten Worten. Ob der ehemalige DFB-Sportdirektor und Co-Trainer von Joachim Löw nun zu wenige Vorschläge einbrachte oder aber diese kein Gehör fanden, da sind sich die Meldungsmacher uneins. Unbestritten ist die Ungewöhnlichkeit, dass Flick sich mitten im Rückrundengestrüpp in den Urlaub verabschiedet hat. Wenn’s läuft, dann läuft’s.

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