Hannover 96: Probleme auf und neben dem Platz

Eine sportliche Talfahrt und viele Diskussionen im Hintergrund: Die Situation bei Hannover 96 war gewiss schon einmal eine bessere als zurzeit. Die erhoffte Trendwende unter Trainer Thomas Doll blieb bislang aus – und auch die nackten Zahlen machen den Fans wenig Hoffnungen auf den Klassenerhalt.

Es ist noch nicht allzu lange her, da machte Hannover 96 auf internationalem Parkett auf sich aufmerksam. In der Saison 2011/2012 zogen die Roten – genauso wie der S04 – ins Viertelfinale der Europa League ein und schmissen auf dem Weg dorthin unter anderem den FC Sevilla aus den Playoffs. Ein Jahr später war im Sechzehntelfinale gegen das damals neureiche Anschi Machatschkala Schluss, bei dem unter anderem Samuel Eto’o seinerzeit die Fußballschuhe schnürte. Von derlei Erfolgen können die 96-Fans derzeit nur träumen. Aktuell droht dem Verein, wie bereits nach der Saison 2015/2016, der Abstieg in die 2. Liga.

Mit 14 Punkten aus 26 Partien spielt Hannover die schwächste Saison der Vereinsgeschichte. 61 Gegentore sind Liga-Höchstwert, zehn Punkte vor eigener Kulisse sowie nur elf erzielte Heimtore hingegen Liga-Tiefstwert. Kurzum: Es spricht derzeit wenig für den Klassenerhalt, zumal mit Trainer Thomas Doll der erhoffte Erfolg nicht zurückgekehrt ist. Doll hatte im Januar die Nachfolge von André Breitenreiter übernommen, seitdem aber erst einen Sieg (2:0 gegen den 1. FC Nürnberg) feiern können. Zuletzt setzte es in der Bundesliga fünf Niederlagen in Serie. Negativer Höhepunkt war die 0:5-Niederlage im Testspiel bei Zweitligist Arminia Bielefeld während der Länderspielpause.

Leistung in Bielefeld macht Doll nachdenklich

„So ein Auftritt ärgert mich“, sagte Thomas Doll nach der Partie und ergänzte: „Das war beschämend für eine Bundesligamannschaft. Wenn du dich so präsentierst, hast du ein Problem.“ Die Leistung seines Teams mache ihn nachdenklich. „Ich bin wirklich enttäuscht. Das war ein Test, bei dem sich der eine oder andere hätte präsentieren können. Aber wir haben ja gesehen, was dabei herausgekommen ist.“

Das war beschämend für eine Bundesligamannschaft.

Thomas Doll

Wären die sportlichen Probleme nicht schon groß genug, rumort es auch im Hintergrund. Ex-Hannover-Präsident Martin Kind, der weiterhin Geschäftsführer der ausgegliederten Profifußball-Gesellschaft ist, hatte die Mannschaft unlängst als „kaputt“ bezeichnet und klare Bekenntnisse zu Doll vermieden. Zu allem Überfluss werden die Niedersachsen in dieser Saison wohl ein Minus von 18 Millionen Euro einfahren – einen ähnlichen Wert erwarten sie auch für den Fall des Abstiegs in der kommenden Spielzeit in Liga 2.

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