Hertha BSC: Politikum

Das kaugummiartige Koalitionsgewirr in Berlin hat Hertha BSC zu einem Solidarbeitrag bewegt. Auch der Verein tritt seit dem Spätsommer auf der Stelle.

Der europäische Gedanke ist Bestandteil der Saisonplanung. Die Gruppenphase der Europa League hat das Team nicht überstanden, einem neuen Anlauf wäre rund ums Olympiastadion niemand abgeneigt. Allein durch die Formschwankungen geraten selbst Optimisten allmählich ins Wanken. Eine neue Zielstrebigkeit bleibt nach der Winterpause weiter Wunschgedanke. Jüngster Beweisgegenstand: Nach vier sieglosen Spielen reiste die Hertha zum Tabellenzweiten Bayer Leverkusen, fuhr mit einem durchaus überraschenden 2:0-Sieg heim, um genau dort eine Woche später strauchelnden Mainzern zu unterliegen.

Pal Dardai ist Herthas Rekordspieler und war nicht gerade für seine Filigrantechnik geschätzt. Als Chef-Trainer der Berliner kann er es nicht verstehen, wenn seine Mannen in einem Duell wie gegen die Nullfünfer nicht mal mit einer Gelben Karte etwas in seinem Sinne Positives zur Statistik beitragen. Folglich attestierte der Ungar ihnen sogar das schlechteste Heimspiel seit seiner Amtsübernahme. Und die ist jetzt auch schon drei Jahre her.

Um sich treu zu bleiben, folgte vor einer Woche ein erneutes Zwischenhoch, ermauerten die Berliner doch einen Punkt beim Tabellenführer aus München. Eine Konstante hat der Elftplatzierte bislang nur in der Verletzungsmisere erkannt. Stürmerroutinier Vedad Ibisevic zerlegte es kürzlich das Nasenbein, Antreiber Vladimir Darida, Verteidiger Karim Rekik und Flügelkraft Mitchell Weiser konnten nach diversen Langzeitblessuren noch nicht wieder in Fahrt kommen, dazu gesellten sich zunehmend kurzfristige Ausfälle.

In der Not fokussiert sich die Mannschaft auf die Politik der kleinen Schritte. Im Pressing und Konterspiel liegen ihre Stärken. Findet der Ball den Weg nach vorne, wissen die Altstars Ibisevic und Salomon Kalou sowie der von RB Leipzig losgeeiste Davie Selke auch mit wenigen Versuchen etwas anzufangen. Muss das Team selbst das Spiel machen, findet der Ball seinen Weg meist gar nicht.

„Erst mal 40 Punkte holen“, hat Pal Dardai in Manier eines gewieften Verteidigungsministers von seiner Truppe gefordert. Der Rückstand auf die Europapokalplätze ist schmal. Auch deswegen bleibt das Ziel weiter im Blick. Nur der Weg wird noch lang sein. Man kennt das in Berlin.

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