RB Leipzig: Revierkampf

Forsch und manchmal ein wenig ungestüm. So mischt der Aufsteiger aus Leipzig die Bundesliga auf. Und spricht mittlerweile ganz offen von der Champions League.

In nur sieben Jahren seit der umstrittensten Club-Gründung des deutschen Sports stürmte das Konstrukt namens RasenBallsport Leipzig ins deutsche Fußball-Oberhaus. Statt aber erst einmal den jugendlichen Übermut zu bremsen, suchten die Leipziger unmittelbar den Revierkampf. Borussia Dortmund bekam das am zweiten Spieltag zu spüren und verlor mit 0:1.

Die Sachsen rüttelten an den alten Kräfteverhältnissen und setzten sich sogleich als erster Bayern-Verfolger ab, womit sie die ursprünglichen Erwartungen eines sicheren Mittelfeldplatzes übertrafen. Chef-Trainer Ralph Hasenhüttl, vom FC Ingolstadt 04 gewechselt, hatte von Vorgänger Ralf Rangnick ein junges Kollektiv übernommen, das unter anderen mit Naby Keita und Timo Werner verstärkt worden war. Auch mit seinem neuen Team kultivierte er das offensive Pressing, das laufintensive und schnelle Agieren gegen den Ball und trieb sein Personal zu beinahe ständigen Höchstleistungen.

Das höchste der Gefühle stellte sich nach elf Partien ein: Leipzig eroberte die Tabellenspitze. Allerdings nur für drei Spieltage. Nach dem direkten Kräftemessen zum Jahresabschluss endete der Höhenrausch vorerst mit Schädelbrummen: Leipzig verlor 0:3 in München und musste den Bayern vorzeitig die Herbstmeisterschaft überlassen. Ein Wirkungstreffer: Der Zweikampf an der Spitze ist mittlerweile zum bayerischen Solo geschrumpft. Dahinter aber haben die Sachsen bisher den Rang des Vizes verteidigt – obwohl phasenweise die Konstanz abhanden gekommen war. In der Hinrunde hatte es14 Spieltage gedauert, ehe Emil Forsberg und Co. erstmals eine Bundesliga-Begegnung verloren. In der Rück runde wurden Borussia Dortmund (0:1), der Hamburger SV (0:3), der VfL Wolfsburg (0:1) und Werder Bremen (0:3) zum Roten Tuch.

Trotz dieser Rückschläge: Der Last-Minute-Erfolg gegen Bayer 04 Leverkusen vor zwei Spieltagen war der dritte Sieg innerhalb von sieben Tagen, und weil gleichzeitig die TSG Hoffenheim und der BVB unterlagen und die Leipziger mit dem 4:0 gegen Freiburg zuletzt noch eindrucksvoll nachlegen konnten, sprechen die Verantwortlichen mittlerweile offen von der Königsklasse und betonen, auch formaljuristisch keine Probleme mit der UEFA wegen der Zulassung zur Champions League zu erkennen.

Die Personalplanungen fürs internationale Geschäft laufen ebenso: Von den Young Boys Bern verpflichtete Leipzig das Torwarttalent Yvon Mvogo, dem, wie Sportdirektor Ralf Rangnick sagte, weitere Neue folgen sollen.

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