„Schalke gehört uns“-Tour: Aus Aufstieg soll Dauerhaftes werden

Die Genossenschaft Auf Schalke eG hat auf der „Schalke gehört uns“-Tour in den vergangenen Wochen einige bundesweite Termine absolviert. Nach dem Auftakt in der VELTINS-Arena standen zwischen Hamburg und München bundesweit mehrere Roadshow-Stopps auf dem Programm. Überall war spürbar: Der Aufstieg in die Bundesliga hat Schalke Rückenwind gegeben – und zugleich das Bewusstsein geschärft, dass aus Euphorie jetzt nachhaltige Stärke werden muss.

Frank Baumann und Jürgen Gerdes in München

Genau darum warb Jürgen Gerdes, Vorstandsvorsitzender der Auf Schalke eG, bei den Stationen der Tour  immer wieder mit klaren Worten. „Stärke im Sport hat etwas mit Stärke auf der Finanzseite zu tun. Meine Oma hätte gesagt: Ohne Moos nichts los“, sagte Gerdes in München.

Die Botschaft dahinter passt zur wirtschaftlichen Ausgangslage des Vereins: Schalke 04 hat zuletzt wichtige Fortschritte gemacht, trägt aber weiterhin erhebliche finanzielle Altlasten. Das negative Eigenkapital ist weiterhin hoch und stellt den Club vor erhebliche Herausforderungen.

„Wer Geld in Beine investiert, ist erfolgreicher“

Gerdes beschrieb drei grundsätzliche Wege, mit dieser Lage umzugehen. Eine Ausgliederung sei für Schalke keine gewünschte Option. Ein solcher Schritt gelinge nur aus wirtschaftlicher Stärke heraus und passe derzeit weder zur Lage noch zum Selbstverständnis des Vereins. Die zweite Möglichkeit, die Arena an einen externen Betreiber zu verkaufen, würde zwar kurzfristig Geld bringen, mittelfristig aber wichtige Erträge und Einfluss kosten. Genau deshalb rückt die Genossenschaft als dritter Weg ins Zentrum: Schalke verkauft die Arena nicht an Fremde, sondern „ein Stück weit an sich selbst“.

Der Kern der Idee ist bewusst einfach gehalten: Die Auf Schalke eG sammelt Kapital über die Zeichnung von Anteilen und erwirbt damit nach und nach Anteile an der Stadiongesellschaft der VELTINS-Arena. Ziel ist, dass perspektivisch 51 Prozent beim FC Schalke 04 verbleiben und bis zu 49 Prozent der Genossenschaft gehören – also wieder Schalke. „Jemand hat gesagt: Geld schießt keine Tore. Das stimmt so nicht ganz. Wer das Geld in Beine investiert, ist erfolgreicher“, formulierte Gerdes beim Stopp der Tour in Hannover . Anders ausgedrückt: Die Genossenschaft investiert in Steine, der Verein in Beine – also in die Lizenzmannschaft, in die Knappenschmiede und in bessere Voraussetzungen für sportliche Stabilität.

„Knappenschmiede stärkt den Verein sportlich und wirtschaftlich“

Wie eng wirtschaftliche Handlungsfähigkeit und sportliche Ambition zusammenhängen, machte Christina Rühl-Hamers auf der Tour ebenfalls deutlich. Schalke wolle „keine Fahrstuhlmannschaft“ sein, sondern einen Kader aufbauen, der die Bundesliga hält und zugleich Werte schafft. Der Aufstieg sei eben „kein Trampolin, eher ein langes Treppenhaus“: Höhere Einnahmen kämen Schritt für Schritt, höhere Anforderungen dagegen sofort. Wenn Schalke Spieler nicht aus Zwang verkaufen müsse, sondern halten, weiterentwickeln und im Idealfall im Wert steigern könne, entstehe echte Wahlfreiheit. Gemeint ist am Ende das, was Rühl-Hamers beim Tourtermin in Münster  zugespitzt als möglichen „Woltemade-Effekt“ beschrieb: sportliche Entwicklung, die sich auch im Kaderwert und in späteren Erlöspotenzialen niederschlägt.

Dazu passt die zweite große Investitionslinie, die auf den Tour-Abenden immer wieder Thema war: die Knappenschmiede. Für den S04 ist die Nachwuchsarbeit ein zentraler Bestandteil des sportlichen Erfolgs in der Zukunft. Wenn es gelingt, noch mehr Qualität, unterstützende Infrastruktur und Entwicklungspotenzial in die Talentausbildung zu bringen, stärkt das den Verein doppelt – sportlich und wirtschaftlich.

„Geld in der Genossenschaft bleibt Mitgliedern zugeordnet“

Immer wieder war auf der Tour auch ein Punkt wichtig, den viele Mitglieder noch nicht in aller Klarheit kennen: Das Geld in der Genossenschaft ist keine Spende. Gerdes betonte das mehrfach ausdrücklich und warb dafür, den Anteil als Einlage und Beteiligung zu verstehen. Ein Anteil kostet 250 Euro, das Kapital bleibt dem Mitglied wirtschaftlich zugeordnet.

Eine feste Rendite gibt es nicht, möglich sind bei positiver Entwicklung aber Ausschüttungen in Höhe von bis zu zwei Prozent. Zugleich können Mitglieder unter Einhaltung einer fünfjährigen Kündigungsfrist aus der Genossenschaft ausscheiden und erhalten dann ihr eingezahltes Kapital zurück.

Gerdes beschrieb die laufende Phase als seltene Konstellation: „Wir haben doch einen Superlauf. Wir haben ein bärenstarkes Trainerteam mit einem ebenso starken Staff. Und wir haben einen Vorstand, der einen tollen Job gemacht hat. Das ist eine Jahrhundertchance.“ Genau jetzt müsse Schalke den sportlichen Schwung verstetigen, damit man sich in einigen Jahren nicht darüber ärgere, die Gelegenheit verpasst zu haben. Sein Appell: Wer möchte, dass Schalke Herr im eigenen Haus bleibt und seine Zukunft aus eigener Kraft gestaltet, der sollte das nicht nur beklatschen – sondern auch zeichnen.

„Wenn jedes Schalke-Mitglied einen Anteil kauft, dann ist das Ding durch“

Gerdes konkret: Wer das nächste Derby gewinnen möchte, muss jetzt die wirtschaftlichen Weichen dafür stellen. „Wenn jedes Schalke-Mitglied einen Anteil kauft, dann ist das Ding durch“, warb er. Bei mehr als 210.000 Vereinsmitgliedern ist die Größe der Gemeinschaft unstrittig. Entscheidend ist nun, wie viele Schalkerinnen und Schalker in den nächsten Wochen aus Zustimmung Beteiligung machen. Denn der Zeitfaktor ist real: Frank Baumann erklärte mehrfach auf der Tour, dass frisches Kapital in der laufenden Transferphase und darüber hinaus sehr positiven Einfluss auf die Planung haben könne.

Auf allen Stationen der „Schalke gehört uns“-Tour prägte ein Gedanke die Gespräche: Schalke will unabhängig bleiben, die Arena in königsblauer Hand halten und den Aufstieg nicht als Endpunkt, sondern als Startsignal begreifen. Die Auf Schalke eG dient dabei als Werkzeug der Gemeinschaft – transparent, demokratisch und auf langfristigen Erfolg ausgerichtet. Oder, um die Leitidee der Tour aufzugreifen: Gemeinsam, selbstbestimmt, erfolgreich.

Auf Schalke eG beim Schalke-Tach

Beim diesjährigen Schalke-Tach  am 8. August ist auch die Genossenschaft vertreten. Alle S04-Mitglieder können Anteile zeichnen, der Vorstandsvorsitzende Jürgen Gerdes steht zudem für Fragen bereit.

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