Blendi Idrizi: Es macht Spaß, Teil dieses Teams zu sein

Bundesliga-Debüt, das erste Tor, die Premiere in der A-Nationalmannschaft des Kosovos und die Unterschrift unter einen Lizenzspielervertrag – hinter Blendi Idrizi liegen ereignisreiche Wochen. Im Interview mit schalke04.de spricht der 23-Jährige über seinen Weg zu den Profis, die Unterstützung von Gerald Asamoah, seine Ziele und den Stolz, das königsblaue Trikot tragen zu dürfen.

Blendi Idrizi

Blendi, musst du dich manchmal kneifen, um zu realisieren, was in den vergangenen Wochen in deinem Leben geschehen ist?
Es ist gar nicht so einfach, diese Frage zu beantworten – denn irgendwie ist in meinem Kopf noch alles im Gange. Ich habe die letzten Wochen sehr genossen, sie haben sich phasenweise angefühlt wie in einem Traum. Wichtig ist nun, dass ich mich nicht darauf ausruhe, sondern weiter Gas gebe.

Musstest du lange überlegen, als der Verein auf dich zugekommen ist und dir einen Profivertrag angeboten hat?
Ich war sofort Feuer und Flamme. Von Anfang an habe ich gesagt: Wenn Schalke weiter mit mir zusammenarbeiten möchte, bleibe ich auf jeden Fall hier. Ich habe dem Club viel zu verdanken und weiß, was ich an Schalke habe. Ich bin zwar erst seit anderthalb Jahren ein Teil des Clubs, habe aber sofort gespürt, dass es zwischen uns passt.

Ich bin zwar erst seit anderthalb Jahren ein Teil des Clubs, habe aber sofort gespürt, dass es zwischen uns passt.

Blendi Idrizi

Dein Kontrakt in der U23 wäre am 30. Juni ausgelaufen. Hattest du nach deinen starken Auftritten zuletzt Anfragen weiterer Clubs?
Es gab den einen oder anderen Interessenten. Aber für mich hat Schalke immer höchste Priorität gehabt. Deshalb habe ich mich gar nicht mit anderen Vereinen beschäftigt.

Wie läuft die Vorbereitung bislang für dich?
Ich fühle mich gut. Nach den Länderspielen nach dem Saisonende hatte ich etwas weniger als zwei Wochen Urlaub, um den Akku aufzuladen. Das hat mir auch gereicht, denn ich wollte schnellstmöglich zurück auf den Platz, zurück zur Mannschaft. Gerade das Trainingslager bietet die Möglichkeit, sich als Team zu finden. Wir sind nahezu 24 Stunden am Tag zusammen, da lernt man sich auch abseits des Platzes besser kennen.

Training

Was machst du abends, wenn das Training vorbei ist?
Nicht viel (lacht). In der Regel trainieren wir zweimal am Tag, und die Einheiten bislang hatten es wirklich in sich. Deshalb war ich zuletzt froh, wenn ich früh ins Bett konnte. Im Hotel ergeben sich zwischenzeitlich aber immer wieder Möglichkeiten, sich mit den anderen Jungs zu unterhalten. Ich finde, dass wir charakterlich eine sehr gute Mannschaft haben. Es macht Spaß, Teil dieses Teams zu sein.

Hast du in den vergangenen Wochen Feedback von Dimitrios Grammozis bekommen?
Wir haben uns mehrfach ausgetauscht. Er hat mir gesagt, was er von einem Achter erwartet: Ich soll mich zwischen den Strafräumen bewegen, tiefe Läufe abspulen. Ich versuche, seine Vorgaben umzusetzen und will mein Spiel täglich verbessern.

Jetzt gilt es, dranzubleiben und zu zeigen, dass ich noch mehr kann, als ich bislang präsentiert habe.

Blendi Idrizi

Ist die Acht deine Lieblingsposition?
Ich fühle mich in dieser Rolle sehr wohl. Aber ich kann auch auf den Flügeln spielen. Letztendlich spiele ich dort, wo der Trainer mich aufstellt, wo ich der Mannschaft am besten helfen kann.

In deiner Vita stehen bislang drei Einsätze für die Schalker Profis. Mit welchen Erwartungen startest du in die neue Saison?
Ich möchte so viele Spielminuten wie möglich sammeln. Die drei Spiele haben Spaß gemacht, sie machen definitiv Lust auf mehr. Jetzt gilt es, dranzubleiben und zu zeigen, dass ich noch mehr kann, als ich bislang präsentiert habe.

Ein Tor ist dir bereits gelungen – beim spektakulären 4:3-Sieg gegen Eintracht Frankfurt. Nach deinem Treffer bist du auf direktem Wege zur Trainerbank gerannt und hast Gerald Asamoah umarmt. War der Jubel geplant?
Nein, er kam aus der Situation heraus. Ich war so glücklich, so dankbar. Deshalb wollte ich mich bei den Personen bedanken, die an mich geglaubt haben. Gerald Asamoah, der Trainer, der Staff. Sie alle haben es mir ermöglicht, meinen Traum in die Realität umzusetzen.

Blendi Idrizi jubelt mit Gerald Asamoah

Wie viele Nachrichten hattest du nach dem Spiel auf deinem Smartphone?
Ich habe sie nicht gezählt. Aber es waren einige. In den ersten Tagen nach dem Spiel habe ich bewusst nicht allzu viel auf mein Handy geschaut, damit ich den Fokus auf den Fußball nicht verliere. Nach und nach habe ich dann versucht, alle Glückwünsche zu beantworten.

Gerald Asamoah war es auch, der dich im Januar 2020 für die U23 gewinnen konnte. Hast du bei deinem Wechsel von Fortuna Köln zum FC Schalke 04 bereits darauf gehofft, dich für den Profikader empfehlen zu können?
Ich habe schon darauf spekuliert, mich in einem passenden Moment einmal oben zeigen zu dürfen. Grundsätzlich war es aber einfach der Name FC Schalke 04: Wenn solch ein Verein an dich herantritt, dann sagst du nicht nein.

Weißt du, wie du dich ins Blickfeld der königsblauen Scouts gespielt hast?
Torsten Fröhling und Manfred Dubski (U23-Trainer und Scout, Anmerkung der Redaktion) haben mich beobachtet. Beide haben ein Spiel von mir gegen Rot-Weiß Oberhausen gesehen, Manfred Dubski war anschließend noch bei weiteren Partien vor Ort, unter anderem in Rödinghausen. Dabei muss ich einen ganz guten Eindruck hinterlassen haben.

Nassim Boujellab, Timo Becker oder Matthew Hoppe haben gezeigt, dass der Weg in den Lizenzspielerbereich über die U23 möglich ist.

Blendi Idrizi

Ein paar Tage vor deiner Premiere hat Florian Flick sein Bundesliga-Debüt gefeiert. War das noch einmal ein zusätzlicher Ansporn für dich?
Zunächst einmal habe ich mich nach Flos erstem Spiel extrem für ihn gefreut. Wir beiden waren zuvor schon ein paar Wochen oben dabei, auch andere Beispiele wie Nassim Boujellab, Timo Becker oder Matthew Hoppe haben gezeigt, dass der Weg in den Lizenzspielerbereich über die U23 möglich ist. Wir haben alle haben an unsere Chance geglaubt und sie dann auch nutzen können.

Du trägst die Rückennummer 36. Hat diese Zahl eine besondere Bedeutung für dich?
Sie ist mir in der vergangenen Saison zugeteilt worden, als ich Teil des Profikaders war. Mit der 36 lief es für mich persönlich sehr gut, deshalb werde ich diese Nummer auch behalten.

Training

Was bedeutet dir denn der FC Schalke 04?
Dieser Verein hat einfach eine riesengroße Wucht. Vor allem die Fans sind der Wahnsinn. Wenige Tage nach meiner Verpflichtung im Januar 2020 war ich zu Gast in der VELTINS-Arena – beim DFB-Pokalspiel gegen Hertha BSC, das Schalke in der Verlängerung für sich entscheiden konnte. Die Stimmung, die Atmosphäre, das hat mich einfach umgehauen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich gedacht: Stell dir mal vor, du wärst jetzt auf dem Platz – und 60.000 Fans stehen hinter dir. Ich hoffe, dass ich bald die Möglichkeit bekomme, vor Zuschauern in diesem fantastischen Stadion aufzulaufen.

Hast du ein Vorbild?
Mich begeistern die Spielweisen von Thiago und Coutinho. Als Vorbilder würde ich sie aber nicht bezeichnen. Aber ich versuche, mir einiges von ihnen abzuschauen.

Gibt es ein Spiel in der anstehenden Saison, auf das du sich besonders freust?
Der Auftakt gegen den Hamburger SV ist direkt ein Kracher. Diese Paarung verspricht einiges. Ich hoffe natürlich, dass wir am Ende die Mannschaft sind, die auf dem Platz jubeln darf. Wir werden auf jeden Fall alles dafür geben.

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