Kerim Calhanoglu: Bei Schalke hatte ich sofort ein gutes Gefühl

Nach vier Bundesligaspielen als A-Jugendlicher ist Kerim Calhanoglu hungrig auf weitere Einsätze im Profifußball. Im Interview mit schalke04.de spricht der 18-Jährige über den Sprung aus der A-Jugend in den Lizenzspielerkader, die Stunden vor seinem Debüt gegen den 1. FSV Mainz 05, seine Ziele und seine Aufgaben als jüngster Akteur des Teams.

Kerim Calhanoglu

Kerim, hinter dir liegt jetzt exakt eine Woche Trainingslager in der Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern. Wir schwer sind die Beine?
In der Vorbereitung ist es normal, dass man etwas härter trainiert als während der Saison. Denn jetzt werden die Grundlagen gelegt. Die hohe Belastung ist für mich auch nicht allzu ungewohnt. In der U19 haben wir unter Norbert Elgert ebenfalls unter sehr professionellen Bedingungen trainiert. Jetzt ist es noch einmal eine Stufe intensiver. Wir arbeiten hart, aber bei mir ist alles im grünen Bereich.

Du bist im vergangenen Sommer aus dem Nachwuchsleistungszentrum der TSG 1899 Hoffenheim in die Knappenschmiede gewechselt. Wie kam es zu dem Schritt aus dem Kraichgau ins Ruhrgebiet?
Ich hatte das Gefühl, dass ich auf Schalke den nächsten, den entscheidenden Schritt gehen kann. Nach den Gesprächen mit den Verantwortlichen der Knappenschmiede war ich sofort begeistert. Für meine Entwicklung war es die absolut richtige Entscheidung.

Für meine Entwicklung war der Schritt zum FC Schalke 04 die absolut richtige Entscheidung.

Kerim Calhanoglu

U19-Trainer Norbert Elgert hat dich direkt zu seinem Kapitän ernannt. Was hat dir dieses Vertrauen bedeutet?
Ich war unfassbar stolz. Für mich war es eine große Ehre, da wir eine Mannschaft mit sehr vielen guten Spielern hatten – und Norbert Elgert hat ausgerechnet mich ausgewählt. Ich habe in jedem Training, in jedem unserer leider nur wenigen Spiele versucht, dieses Vertrauen zurückzuzahlen.

Vertrauen geschenkt hat dir auch Dimitrios Grammozis, der direkt in seinem ersten Spiel als Chef-Trainer auf dich gesetzt hat. Wie hast du erfahren, dass du gegen Mainz in der Startelf stehen wirst?
Ich durfte mich in der gesamten Trainingswoche präsentieren und muss einen ganz guten Eindruck hinterlassen haben. Am Tag vor dem Spiel, kurz vor der Abfahrt ins Teamhotel, hat Mike Büskens mich zur Seite genommen und mir beim Essen mitgeteilt, dass ich im Kader stehen werde. Da war mir aber noch nicht bewusst, dass ich auch zur Anfangsformation zähle. Ich hatte gehofft, vielleicht in der Schlussphase eingewechselt zu werden, meine ersten Minuten in der Bundesliga zu bekommen. Als das Trainerteam dann am Spieltag die Aufstellung verkündet hat, stand mein Name auf der Tafel. Diesen Moment werde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen.

Kerim Calhanoglu

Die A-Junioren Bundesliga ist im Oktober des vergangenen Jahres für lange Zeit unterbrochen und schlussendlich dann auch abgebrochen worden. Wie hast du dich in diesem Zeitraum fitgehalten?
Die Verantwortlichen der Knappenschmiede haben ein gutes Programm für uns zusammengestellt. Es hat sich ein bisschen angefühlt, wie eine Vorbereitung. Eine sehr, sehr lange Vorbereitung. Bei meinem Bundesligadebüt gegen Mainz war ich aber ehrlich gesagt selbst ein wenig überrascht, wie gut ich trotz der fehlenden Spielpraxis in die Partie gefunden habe.

Nun beginnt für dich bald die erste komplette Saison als Profifußballer. Was hast du dir persönlich vorgenommen?
Ich möchte jeden Tag etwas dazulernen, so viele Spiele wie möglich machen, der Mannschaft helfen. Sei es mit Vorlagen oder vielleicht auch mit meinem ersten Tor als Profi.

Du bist der jüngste Spieler im Kader. Hast du deshalb eine spezielle Aufgabe?
Nicht nur eine (lacht). Ich muss gefühlt alles machen. Bälle einsammeln, nach dem Trainingsende die Übungen abbauen – einfach alles, was so anfällt. Und zu Beginn des Kreisspiels hat der jüngste Spieler natürlich auch seinen Stammplatz in der Mitte. Für mich ist das aber kein Problem, das gehört dazu – und die Jungs, die älter sind als ich, haben diese Aufgaben in ihrer Laufbahn ja auch übernehmen müssen. Die aktuelle U19 hat einen starken Kader. Deshalb bin ich guter Dinge, dass ich in der kommenden Saison nicht mehr der jüngste Spieler bin (schmunzelt).

Ich möchte jeden Tag etwas dazulernen, so viele Spiele wie möglich machen, der Mannschaft helfen.

Kerim Calhanoglu

Das Team besteht insgesamt aus vielen jungen Akteuren. Hat es das für dich einfacher gemacht, schnell Teil der Gruppe zu werden?
Ich finde, dass in unserer Mannschaft insgesamt ein guter Spirit herrscht. Es ist nicht so, dass nur die jungen oder nur die älteren Spieler in Gruppen zusammenhängen. Auch wir jungen Spieler sind gut ins Team integriert und sehen alle unsere Chance, ein wichtiger Teil der Mannschaft zu werden.

Der Name Calhanoglu ist in Deutschland kein unbekannter. Dein Cousin Hakan hat in der Bundesliga für den Hamburger SV und Bayer Leverkusen gespielt, zuletzt ist er vom AC Mailand zu Inter gewechselt. Ist er ein Vorbild für dich?
Nein, nicht direkt. Er spielt ja auch auf einer ganz anderen Position als ich. Was ich aber schon stets bewundert habe, sind Hakans Freistöße. Die sind wirklich unglaublich.

Hast du ein anderes Idol?
Mir imponiert Cristiano Ronaldo. Wenn ich an Fußball denke, denke ich an ihn. Er spielt ebenfalls auf einer anderen Position. Trotzdem hat er etwas an sich, was mich fasziniert: CR7 will jeden Tag der Beste sein, er lebt sehr professionell, investiert viel Zeit und Arbeit in seinen Körper. Deshalb ist er seit vielen Jahren ein Weltklassespieler.

Seite teilen

Das könnte dich auch interessieren

Simon Terodde im Kreisel-Interview

Simon Terodde im Kreisel-Interview: Traditionalist

Seine fußballerische Vita lässt es erahnen: Simon Terodde hat einen Hang zu Traditionsvereinen. Seit dieser Saison schaltet der Stürmer für Königsblau auf Angriff. Er weiß, der Druck ist groß, doch das pusht ihn. Im ausführlichen Interview mit dem Schalker Kreisel verrät der 33-Jährige, was ihn sonst noch bewegt, wie seine Liebe zur Heimat, seine Leidenschaft für den Fußball und das erste Gänsehaut-Erlebnis in der VELTINS-Arena.

Axel Hefer und Moritz Dörnemann

Axel Hefer und Moritz Dörnemann im Kreisel-Interview: Wir müssen als Team agieren!

Seit Mitte Juli ist Axel Hefer der neue Vorsitzende des Schalker Aufsichtsrats und Moritz Dörnemann sein Stellvertreter. In seinem ersten Interview spricht das Duo in der Digitalausgabe des neuen Schalker Kreisels über weitere Veränderungen im Gremium, die Pläne zur Besetzung der vakanten Vorstandsstelle sowie den nötigen Kulturwandel im Verein.

Tom Dooley

Was macht eigentlich … Tom Dooley?

Thomas „Tom“ Dooley trug von 1995 bis 1997 das königsblaue Trikot. Der Weltenbummler kann als Spieler und Trainer eine beeindruckende Vita vorweisen. Im Interview mit schalke04.de spricht der ehemalige Verteidiger über seine verschiedenen Trainerstationen, seine Bücher, die Zeit in der US-amerikanischen Nationalmannschaft und Landsmann Matthew Hoppe.

Peter Knäbel

Peter Knäbel im Kreisel-Interview: Wir sind Fußballer, wir wollen gewinnen!

Vor nicht mal vier Monaten hat Peter Knäbel als Vorstand Sport und Kommunikation große Verantwortung beim FC Schalke 04 übernommen und bereits viel bewegen müssen. Im ausführlichen Interview mit dem Schalker Kreisel spricht der 54-Jährige über Ambitionen, den aktuellen Stand und den nötigen Umgang des Vereins mit der Drucksituation.