Marius Bülter: Auf Schalke hatte ich das geilste Auswärtsspiel meiner Karriere

Neuzugang Marius Bülter hat sich in den ersten Tagen gut eingelebt bei den Knappen. Im Interview mit schalke04.de spricht der Offensivmann über seinen Wechsel aus Berlin nach Gelsenkirchen, bisherige Berührungspunkte mit den Königsblauen, S04-Fans in seinem Umfeld und die in zwei Wochen beginnende Saison.

Marius Bülter

Marius, die erste Woche als Spieler des FC Schalke 04 liegt hinter dir. Wie fühlt es sich an, das blau-weiße Trikot zu tragen?
Es ist ein besonderes Gefühl. Als feststand, dass ich zum S04 wechseln werde, haben mir sehr viele Freunde und Bekannte geschrieben, dass sie sich für mich freuen. Ich selbst bin einfach glücklich, dass es nun losgeht, dass ich Mannschaft, Trainerteam und Staff kennenlernen kann.

Wie froh bist du, dass dein Wechsel noch vor dem Start des Trainingslagers in Mittersill über die Bühne gegangen ist?
Mir war es wichtig, dass das klappt. Ein Trainingslager bietet dir die optimale Chance, schnell ein Teil der Gruppe zu werden. Für die Integration gibt es nichts Besseres.

Gibt es Spieler im Team, die du zuvor bereits gekannt hast?
Persönlich nicht. Klar, ich habe in der Vergangenheit schon gegen den einen oder anderen gespielt. Aber bis auf ein paar kurze Gespräche rund um die Duelle mit Union Berlin gegen Schalke hatte ich mit keinem Spieler Kontakt. Mein erster Eindruck von der Mannschaft ist auf jeden Fall extrem positiv. Die Jungs haben mich mit offenen Armen empfangen.

Ein Trainingslager bietet dir die optimale Chance, schnell ein Teil der Gruppe zu werden.

Marius Bülter

Du hast in den vergangenen beiden Spielzeiten 58 von 68 möglichen Spielen in der Bundesliga für Union Berlin bestritten und konntest mit den Eisernen zuletzt das Ticket für die neu geschaffene UEFA Conference League lösen. Weshalb hast du dich für den Schritt zu den Königsblauen entschieden?
Eigentlich hatte ich gar nicht vor, Union zu verlassen. Aber als die Anfrage von Schalke kam, war ich sofort Feuer und Flamme. Dieser Verein hat einfach etwas an sich, das dich packt. Am Ende habe ich auf mein Bauchgefühl gehört – und das hat mir gesagt, dass ich zu Schalke wechseln soll. Ich habe Bock auf die Aufgabe und möchte mitanpacken.

Vielen Schalke-Fans bist du spätestens seit dem 31. August 2019 ein Begriff. Weißt du noch, was an dem Tag gewesen ist?
Da dürfte ich ein Abendspiel mit Union Berlin gehabt haben (schmunzelt).

Stimmt. Und die Trikotfarben des Gegners waren …
… schwarz und gelb. Wir haben 3:1 gewonnen, mir sind zwei Treffer gelungen. Für uns war es nach dem Aufstieg damals der allererste Sieg überhaupt in der Bundesliga. Rückblickend betrachtet bekomme ich noch immer Gänsehaut, wenn ich daran denke. Dieser Abend, ein ausverkauftes Stadion, zwei Tore, drei Punkte, der Jubel mit den Fans, das verlief wirklich wie gemalt.

Du bist in Dreierwalde aufgewachsen, einem Ortsteil der Stadt Hörstel, etwas mehr als eine Autostunde entfernt von Gelsenkirchen. Gibt es dort viele Schalke-Fans?
Zu meinem Freundes- und Bekanntenkreis zählen sehr viele Schalker. Uwe Laurenz, mein ehemaliger Trainer bei Eintracht Rheine, ist zum Beispiel glühender S04-Anhänger. In den vergangenen Jahren hatten wir regelmäßig Kontakt. Als mein Wechsel bekannt gegeben worden ist, war Uwe einer der Ersten, der sich gemeldet hat.

Marius Bülter

Hast du als Kind und Jugendlicher manchmal Spiele in der VELTINS-Arena besucht?
Na klar. Als kleiner Junge war ich sogar noch zu Gast bei einer Begegnung im Parkstadion. Die Stimmung auf Schalke war schon immer überragend. Das habe ich vor zwei Jahren auch erleben dürfen, als ich mit Union in der VELTINS-Arena gespielt habe. Ich weiß es noch ganz genau: Es war ein Freitagabend, das Stadion war ausverkauft – und Suat Serdar hat kurz vor dem Schlusspfiff den 2:1-Siegtreffer für Schalke erzielt. Die Lautstärke beim Jubel der Fans, das war unglaublich. Nach dem Spiel habe ich trotz unserer Niederlage gesagt, dass es das geilste Auswärtsspiel war, das ich jemals erlebt habe. Umso bitterer war es, dass in der abgelaufenen Saison in einer nahezu leeren Arena gespielt werden musste, als wir zu Gast in Gelsenkirchen gewesen sind.

Die Eisernen sind ebenfalls für ihre leidenschaftlichen Anhänger bekannt. Was bedeuten dir die Fans?
Vor meinem Wechsel nach Berlin habe ich in Magdeburg gespielt, schon da war die Unterstützung der Fans überragend. Da hattest du bei den Heimspielen den ‚zwölften Mann‘ auf dem Platz. Bei Union wurde das dann noch einmal getoppt. Als Fußballer spielst du dafür, die Fans glücklich zu machen. Das ist dein Antrieb, deine Motivation.

Hast du abgesehen von den Spielen im Union-Trikot in der Vergangenheit noch weitere Male gegen Schalke gespielt?
Den einen oder anderen Berührungspunkt gab es tatsächlich. In der Jugend mit Preußen Münster und später dann auch mit dem SV Rödinghausen in der Regionalliga West gegen die U23. Jetzt freue ich mich, selbst das S04-Trikot tragen zu dürfen.

Als Fußballer spielst du dafür, die Fans glücklich zu machen. Das ist dein Antrieb, deine Motivation.

Marius Bülter

Die Zweite Liga ist aufgrund deiner Zeit in Magdeburg kein Neuland für dich. Worauf kommt es in dieser Spielklasse an?
Du musst als Mannschaft ein richtiges Team sein, jeder Einzelne muss sich auf seinen Mitspieler verlassen können. Wenn du eine verschworene Gemeinschaft bist, dann kannst du als Team vieles erreichen.

Direkt zum Auftakt wartet mit dem Heimspiel gegen den Hamburger SV ein Kracher. Hast du bereits Tickets für Familie und Freunde besorgen müssen?
Die eine oder andere Anfrage gab es bereits. Ich freue mich riesig auf den Auftakt, vor allem, weil nach jetzigem Stand knapp 20.000 Zuschauer ins Stadion dürfen. Nach fast einem Jahr ohne Fans wird die Stimmung gegen den HSV vermutlich unfassbar geil werden.

Du hast zwei Schwestern – Zwillinge. Wer wird denn das Trikot aus deinem ersten Schalke-Spiel bekommen?
Gute Frage (lacht). Ich werde schon vor dem Spiel einige Trikots für meine Familie und Freunde organisieren.

Hast du bereits eine Wohnung gefunden?
Noch nicht. Zuletzt ging alles sehr schnell. Die Unterschrift auf Schalke, dann kam kurz danach die Abreise ins Trainingslager. Meine Freundin und ich sind auf der Suche, haben aber noch nichts Passendes gefunden.

Marius Bülter

Vor einigen Jahren sollst du schon einmal Kontakt zum FC Schalke 04 gehabt haben. Stimmt das?
Das ist korrekt. Schalkes U23 war an mir interessiert. Damals habe ich aber noch studiert. Und ich wollte mein Studium (Maschinenbau, Anm. der Redaktion) unbedingt abschließen. Das war mir wichtig. Deshalb hat es damals leider nicht gepasst, der zeitliche Aufwand wäre zu groß gewesen. Nun bin ich mit einiger Verspätung doch noch auf Schalke gelandet. Im Nachhinein habe ich also alles richtig gemacht.

Du hast einen für heutige Verhältnisse ungewöhnlichen Weg in den Profifußball gemacht. Wann hast du gemerkt, dass dein großes Hobby vielleicht dein Beruf werden könnte?
Ein bisschen Glück gehört natürlich immer dazu. In Rödinghausen habe ich bereits etwas Geld mit dem Fußball verdienen können. In meinem letzten Regionalliga-Jahr, als ich Torschützenkönig geworden bin, habe ich gespürt, dass es auch für eine höhere Spielklasse reichen könnte. Es folgte dann der Wechsel zum 1. FC Magdeburg in die Zweite Liga.

Duelle mit deinen beiden ehemaligen Vereinen aus Berlin und Magdeburg sind in der kommenden Saison nicht möglich – es sei denn, sie werden uns im DFB-Pokal zugelost. Auf welches Ligaspiel freust du dich am meisten?
Es warten einige reizvolle Duelle auf uns. Der Start gegen den HSV ist direkt ein Kracher, ich freue mich aber auch auf das Spiel gegen Nürnberg, weil beim Club mit Florian Hübner ein guter Freund von mir spielt. Er war mein Mitspieler bei Union Berlin.

Was hast du dir für die anstehende Saison vorgenommen?
Zunächst einmal möchte ich gesund bleiben, damit ich möglichst viele Spiele bestreiten kann. Wenn ich auf dem Platz stehe, werde ich alles dafür geben, dass wir ein erfolgreiches Jahr spielen und die Fans glücklich machen.

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