Lennart Czyborra: Diese schlimmen Bilder vergesse ich nie

Von der Knappenschmiede bis in die Serie A: Lennart Czyborra spielt seit Januar in Italien für Atalanta Bergamo. Dort lebte der 21-Jährige kurz nach seiner Ankunft plötzlich im europäischen Epizentrum der Corona-Pandemie. Im Interview mit dem Schalker Kreisel spricht der Linksverteidiger über Ängste, Einsamkeit und Erinnerungen.

Lennart Czyborra, Sie haben außergewöhnliche Monate hinter sich. Wie geht es Ihnen?

Mittlerweile wieder besser. Ich hatte einen sehr guten Start, weil mich meine neuen Mitspieler und der gesamte Verein super aufgenommen haben. Bereits im zweiten Pflichtspiel nach meiner Ankunft stand ich im Kader. Ich habe auch sofort Italienischunterricht genommen, um mich möglichst schnell integrieren zu können. Und dann kam das Coronavirus …

Bergamo und die Provinz Lombardei hat es besonders schlimm erwischt …

Die Pandemie war allgegenwärtig. Wir haben über Wochen weitgehend in Isolation gelebt und durften maximal zum Einkaufen nach draußen – und das auch nur mit Mundschutz und Handschuhen. Eine absolute Ausnahmesituation und für alle Menschen eine enorm schwere Zeit.

Zu wissen, dass sich diese Szenen nicht mal fünf Gehminuten von meiner Wohnung entfernt abgespielt haben, macht mir sehr zu schaffen.

Lennart Czyborra

Welche Eindrücke haben sich eingebrannt?

Die schlimmen Videos von Militärfahrzeugen, die die Toten aus der Stadt gebracht haben, werde ich nie vergessen. Zu wissen, dass diese Szenen sich nicht mal fünf Gehminuten von meiner Wohnung entfernt abgespielt haben, macht mir sehr zu schaffen. Zum Glück war der Zusammenhalt riesig. Vor allem die Balkonkonzerte in der Nachbarschaft, bei den ich natürlich mitgeklatscht habe, waren beeindruckend und ermutigend.

Hatten Sie Angst um sich oder Ihre Familie?

Ich habe mir große Sorgen um die Gesundheit meiner Großeltern gemacht, die im Zentrum von Berlin leben, wo die Infektionsrate zeitweise sehr hoch war. Ansonsten hatte ich den Eindruck, dass in Deutschland schnell die richtigen Entscheidungen getroffen wurden, sodass es nicht zu einem derart schlimmen Ausbruch gekommen ist wie in Italien. Trotzdem wäre ich nicht nur einmal am liebsten sofort ins Flugzeug gestiegen, um für meine Familie da zu sein. Aber auch, weil ich mich oft einsam gefühlt habe.

Im kompletten Interview in der neuen Ausgabe des Schalker Kreisels spricht Lennart Czyborra außerdem über seinen Werdegang und seine Zeit in der Knappenschmiede. Das neue Mitgliedermagazin ist exklusiv in der Schalker Kreisel App (Web App | Apple Store | Google Play) abrufbar.

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