U23-Zugang Florian Flick: Raus aus dem Nest

Wie viele junge Menschen löst sich auch Florian Flick mit 20 Jahren vom familiär heimatlichen Umfeld. Ländliches Neckar-Flair und die 3. Liga tauscht er gegen Ruhrpott und Regionalliga. Im Schalker Kreisel verriet Flick, wie es zu seinem Wechsel kam und wie er sich bei den Königsblauen eingelebt hat.

Die erste eigene Wohnung, ein ungewohnter Lebensraum, viele neue Mitspieler: Für Flick ändert sich in diesem Sommer mächtig viel. Dabei hat es schon die erste Jahreshälfte in sich – auch ohne Tapetenwechsel. Das Talent schafft, wovon Nachwuchskicker träumen: den Durchbruch im Club vor der Haustür.

Als die 3. Liga nach der Pandemieunterbrechung wieder startet, zählt Flick zum Stammpersonal des SV Waldhof Mannheim. „Es ist ein tolles Gefühl, so viele Spiele absolvieren zu können“, erklärt der Defensivspezialist. In zehn der elf Partien steht er auf dem Rasen, sieben davon geht er über die volle Distanz und lässt als Junge aus dem eigenen Nachwuchs das Herz der Mannheimer Traditionalisten höher schlagen.

Dabei ist der Name Flick im Waldhof bereits vorher bestens bekannt. Nicht etwa, weil Florian einen berühmten Namensvetter an der Seitenlinie des FC Bayern München hat. „Da gibt es keine Verwandtschaftslinien“, versichert der 20-Jährige. Sehr wohl aber mit seinem Vater Marco, der früher selbst für den SVW verteidigte und unter Chef-Trainer Uwe Rapolder einst fünfmal in der Regionalliga auflief.

Kein Wunder also, dass der Fußball beim Filius früh ins Leben rollt. Mit seiner jüngeren Schwester wächst er ein wenig abseits von Mannheim in einem kleinen Dorf auf. „Behütet und ruhig“ beschreibt Flick die Jahre als Knirps. Das ändert sich aber schnell, speziell an den Wochenenden: „Mein Vater war noch einige Zeit aktiv, also bin ich häufig auf die Sportplätze mitgefahren und habe mitgemischt.“

Nur logisch also, dass es auch Florian in den Verein zieht. Ab der U15 wird er im Waldhof zum Innenverteidiger und Sechser ausgebildet – wie einst der Papa. In Zweikampfführung und Athletik sieht er seine Stärken, Coach Bernhard Trares lobt ihn in der vergangenen Rückrunde für die besten Fitnesswerte aller Spieler. Sogar ein Treffer gelingt ihm bei der 2:3-Niederlage beim FC Bayern München II. Und mit der Einsatzzahl (auf dem Niveau der früheren Regionalliga) überholt er gleich im ersten Seniorenjahr seinen Vater. Durchbruch gelungen.

Viele meiner Freunde sind trotz der Entfernung S04-Fans, in der Bundesliga habe ich den Verein als Kind schon verfolgt.

Florian Flick

Und nun? Frischer Wind. Als im Sommer sein Vertrag ausläuft, ist er offen für alle Varianten. Bleiben vs. Tapetenwechsel. Schließlich brummt eines Abends das Telefon. Schalkes U23-Scout Manfred Dubski möchte mit Teammanager Gerald Asamoah über das Nachwuchstalent und die königsblaue Regionalligamannschaft sprechen. „Ich kann mir vorstellen, dass auch mein Coach da die Finger im Spiel hatte“, vermutet Flick. Dubski und Trares kennen sich schließlich gut, Mannheims Übungsleiter hatte vor wenigen Jahren noch die Zweite Mannschaft der Königsblauen gecoacht.

Überzeugungsarbeit müssen Dubski und Asamoah kaum noch leisten. „Als die Frage aufkam, ob ich mir einen Wechsel vorstellen könne, war für mich eigentlich schon alles klar“, verrät der 20-Jährige. „Wenige Tage später sind wir nach Gelsenkirchen gereist und ich habe mir vor Ort alles angesehen. Da war ich mir sicher, wo ich meine nächsten Schritte gehen möchte.“ Schließlich ist Schalke auch in ländlicheren Regionen ein bekannter Name: „Viele meiner Freunde sind trotz der Entfernung S04-Fans, in der Bundesliga habe ich den Verein als Kind schon verfolgt.“

Doch auch jenseits aller Clubsympathien sieht der junge Defensivexperte sich gut aufgehoben. „Spielpraxis ist ein wichtiger Aspekt. Außerdem sind die Bedingungen auf Schalke perfekt, um mich weiterzuentwickeln.“ Und ein weiterer, nicht ganz unwichtiger Punkt: „Ich musste mich für diesen Wechsel aus meinem gewohnten Umfeld lösen, um woanders auch alleine klarzukommen.“

Zählen kann er dabei auf die Familie und seine Freundin Nicole, die weiter in der Heimat studiert. „Sie und meine Schwester haben mich für ein paar Wochen hier besucht und mir beim Umzug geholfen“, sagt Flick. Auch die Eltern packten mit an, Kisten schleppen, Möbel aufbauen. „Mittlerweile habe ich mich gut eingelebt und kann mich auf das Wesentliche konzentrieren.“ Und seine Schwester schaut öfter mal vorbei: „Die Ruhe auf dem Land mag sie nicht so sehr, da bekommt sie hier schon etwas mehr Action.“

Die Schule hat Flick 2019 mit dem Abitur beendet, absehbar soll ein Fernstudium im Bereich Wirtschaft folgen. Das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen des Fußballs, danach hat sein Wechsel viel Zeit eingefordert. Für den Anfang liegt der Fokus im Ruhrgebiet also auf königsblauem Regionalliga-Fußball im Schatten der VELTINS-Arena.

Die größten Raketen waren meine Tore bislang nicht.

Florian Flick

Und auch hier flutscht es zu Beginn. „Die Mannschaft hat mich super aufgenommen“, verrät Flick, der viele Spielminuten sammelt und maßgeblich Anteil am guten Start der U23 hat. Gleich im zweiten Spiel erzielt er den Siegtreffer beim 1:0-Erfolg über den FC Wegberg-Beeck. „Die größten Raketen waren meine Tore bislang nicht“, meint er lachend. „Aber es ist natürlich toll, wenn ich mich in der Offensive einschalten kann.“

So positiv die Saison gestartet ist, soll sie noch möglichst viele Erfolgserlebnisse bescheren. „Man spürt den Ehrgeiz bei jedem Einzelnen, aber nach dem Training sind auch alle wieder cool miteinander“, gewährt der Zugang einen Blick ins Teaminnere. „Genau das zeichnet eine erfolgreiche Mannschaft aus.“ Einen kleinen Schatten wird er aber auch in Gelsenkirchen nicht los: den seines Namensvetters. Bereits in Mannheim hatten ihn die Mitspieler nur „Hansi“ gerufen. Darauf angesprochen, muss Florian Flick lachen: „Auch hier hat sich der Spitzname schnell durchgesetzt, aber damit kann ich leben.“

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