Vor 25 Jahren verstarb „Stan“ Libuda – In den Herzen aller Schalker dribbelt er noch immer

Wer Stan Libuda spielen sehen durfte, bekommt bei den Erinnerungen daran noch heute glänzende Augen. Seine Spielkunst riss ein ganzes Team mit und ebnete den Weg zum Pokalsieg 1972, dem ersten Titel nach 14 Jahren. Der Flügelspieler ging nicht mit Worten, sondern mit Taten auf dem Platz vorneweg. Sie machen ihn auch heute, ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod am 25. August 1996, noch immer unsterblich.

Stan Libuda

„Li-bu-da, Li-bu-da!“ Die Anfeuerung für einen einzelnen Spieler galt seinerzeit einer ganzen Elf. Dieses Stakkato von den Rängen der Glückauf-Kampfbahn und des Parkstadions: Wer das gehört hat, wird es vermutlich sein Leben lang nicht mehr vergessen. Mit seinen Dribblings spielte der Rechtsaußen an guten Tagen komplette Abwehrreihen schwindlig. Links antäuschen, rechts vorbeigehen: Das war Libudas Markenzeichen.

Der Ehrenspielführer des FC Schalke 04 war ein Künstler in einer Stadt voller Malocher. Der Ball klebte an seinem Fuß, Gegner waren für ihn nicht selten nur Slalomstangen. Jeder Verteidiger wusste, was er machen würde. Doch er zelebrierte seinen Trick mit so viel Tempo, mit so viel Raffinesse, dass die Kontrahenten dennoch zumeist ins Leere grätschten.

Stan Libuda mit dem DFB-Pokal

Libuda trieb gegnerische Abwehrreihen zur Verzweiflung

Diese immer wieder aufs Neue geniale Finte war es auch, die Reinhard Libuda den Beinamen „Stan“ eingebracht hatte – in Anlehnung an den berühmten englischen Rechtsaußen Sir Stanley Matthews, der diesen Trick erfunden haben soll und mit jener Bewegung ebenso wie der Schalker Flügelspieler die gegnerischen Abwehrreihen immer wieder zur Verzweiflung trieb. Der schnelle und zugleich sanfte Umgang mit dem Ball verliehen seinem Spiel etwas Leichtes. Libuda war der populärste Knappe der 1960er und 1970er Jahre, weil er wahrscheinlich der beste Rechtsaußen war, den Deutschland bis heute je gesehen hat.

„An Gott kommt keiner vorbei. Außer Stan Libuda!“ So lautet ein gängiger Spruch. Entstanden sein soll dieser Satz, als eine Kirche auf einem Plakat mit dem Slogan „Niemand kommt an Gott vorbei“ zum Gottesdienst bat. Veredelt, so heißt es, wurde die Einladung mit der Ergänzung eines Fans – „außer Stan Libuda!“ Egal, ob dieser Satz nun der Fantasie eines Journalisten entstammt, oder ob es wirklich ein Plakat mit dieser Aufschrift gegeben hat, die Existenz und die Popularität dieser Aussage verdeutlichen, dass „Stan“ Libuda für die Anhänger des FC Schalke 04 mehr war und ist als ein Fußballspieler.

Stan Libuda

1952 vom Vater auf Schalke angemeldet

Libudas Geschichte begann am 10. Oktober 1943 in Wendlinghausen bei Lemgo. Dorthin hatte es die Familie wegen des Zweiten Weltkriegs verschlagen. Später jedoch ging es zurück nach Gelsenkirchen. Dort wurde der Filius von Papa Paul, der selbst ein trickreicher Stürmer bei Gelsenkirchen 07 gewesen war, 1952 beim FC Schalke 04 angemeldet. Im August 1962 spielte Reinhard Libuda zum ersten Mal für die Erste Mannschaft in der Oberliga, ein gutes Jahr später gab er als 19-Jähriger sein Debüt in der Nationalmannschaft.

Bis zur Saison 1974/1975 absolvierte der Rechtsaußen, der nicht nur Ehrenspielführer des FC Schalke 04 ist, sondern auch zur von den Fans gewählten Jahrhundertelf zählt, mehr als 250 Pflichtspiele für die Knappen. Wurde mit „seinem Verein“ DFB-Pokalsieger 1972, landete in der Bundesliga-Saison auf dem zweiten Rang und schoss überdies die deutsche Nationalmannschaft mit dem 3:2 im Qualifikationsspiel gegen Schottland zur Weltmeisterschaft 1970. Seinen größten internationalen Erfolg feierte Libuda allerdings im Trikot eines anderen Vereins – Borussia Dortmund. Sein Tor zum 2:1 im Finale gegen den FC Liverpool, eine Bogenlampe aus 30 Metern, sicherte dem Reviernachbarn, für den Libuda von 1965 bis 1968 die Schuhe geschnürt hatte, den Europapokal der Pokalsieger.

Dieses Sakrileg vergaben ihm die Schalker Anhänger jedoch ebenso wie die Verwicklung in den Bundesliga-Skandal, der seine Laufbahn im Endeffekt beendete. Nach dem Absitzen seiner Sperre und einem parallelen Gastspiel bei Racing Straßburg in Frankreich war der Dribbelkünstler in Gelsenkirchen sportlich nicht mehr richtig auf die Beine gekommen. Abseits des grünen Rasens war Libuda danach ebenfalls weniger erfolgreich. Für einen Geschäftsmann – er übernahm den Tabak-Laden von Ernst Kuzorra – war er zu introvertiert. Gleichzeitig sagte er aber auch zu oft, was er dachte.

Stan Libuda und Ernst Kuzorra

Letzter Lauf des Lebens von Gott gestoppt

Als es ihm finanziell schlecht ging, wollten ihm die ehemaligen Kameraden unter die Arme greifen. Doch Libuda ließ sich nicht helfen. Er erfüllte alle Kriterien eines antiken Helden. Inklusive des Scheiterns. Er verlor seinen Besitz, musste die Scheidung von seiner Frau Gisela hinnehmen: Am Ende blieben ihm nur noch seine Mutter und Sohn Matthias. Libuda bekam Kehlkopfkrebs und starb am 25. August 1996 im Alter von gerade einmal 52 Jahren.

500 Trauergäste, darunter viele ehemalige Weggefährten wie Rolf Rüssmann, Rudi Assauer und Jürgen Grabowski nahmen an der Beerdigung teil. Bei der Trauerfeier widerlegte Pfarrer Georg Rücker die legendäre These: „Der letzte Lauf seines Lebens wurde von Gott gestoppt.“

Königsblaue Geschichte(n): Helden für einen Sommer

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