Hans Nowak: Deutschlands erster Offensivverteidiger

Der Gelsenkirchener Hans Nowak reift auf Schalke zum internationalen Star – allerdings erst, nachdem man ihm Gewalt androht für den Fall, dass er zu Rot-Weiss Essen wechseln sollte.

Hans Nowak

Es ist der 18. März 1959, als sein Name erstmals um die Welt geht. Der FC Schalke 04 bestreitet an jenem Abend sein Viertelfinal-Rückspiel im Europapokal der Landesmeister. Nie zuvor ist ein deutscher Club in diesem Wettbewerb so weit gekommen. Das Hinspiel beim spanischen „Campeón“ Atletico Madrid haben die Knappen in Unterzahl mit 0:3 verloren. Doch noch sind 90 Minuten Zeit, um die iberischen Vollprofis mit ihrem brasilianischen Superstar Vava zu bezwingen. Und dann das: In der 1. Spielminute feuert der 21-jährige Hans Nowak einfach mal drauf – und trifft. 1:0 für Schalke. 43.000 frenetisch feiernde Fans lassen die Glückauf-Kampfbahn in ihren Grundfesten erzittern. Zwar endet die Partie 1:1 durch einen späten Treffer von Vava, doch Nowak hat das erste internationale Ausrufezeichen seiner Karriere gesetzt.

Rückblick: Anfang 1958 ist der S04 gerade auf dem Weg zu seiner siebten Deutschen Meisterschaft, doch das kann an diesem kalten Wintertag noch niemand ahnen. Die Knappen haben spiel- und trainingsfrei, derweil Chef-Trainer Edi Frühwirth sich eine Partie des Stadtrivalen Eintracht Gelsenkirchen in der zweitklassigen II. Division West anschaut. Bereits nach wenigen Ballpassagen runzelt er die Stirn und schaut genauer hin. Er beugt sich zu seinem Tribünennachbarn, dem damaligen Schalker Edelfan Rolf Nölle, und flüstert in schönstem Wiener Dialekt: „Sagen‘s, Rolf – wer is’n des?“

Hans Nowak im Spiel gegen den VfB Stuttgart

Der Ur-Gelsenkirchener weiß sofort, wer gemeint ist: Eintrachts Offensivtalent Hans Nowak, damals 20 Jahre jung. „Ach, der“, erwidert Nölle gespielt gelassen. „Das ist ein Bekannter von mir.“ Tatsächlich sind Nölle und Nowak gute Freunde aus Kindertagen in Gelsenkirchen-Neustadt. Gemeinsam blicken sie auf unzählige Bolznachmittage zurück. Coach Frühwirth wittert seine Chance: „Rolf, glauben‘s, i‘ kann mit dem Burschen amoi unter vier Augen reden?“

Die Anekdote, die der 2018 verstorbene Nölle in einem seiner letzten Interviews mit dem Schalker Kreisel preisgegeben hat, ist nur eine von vielen Geschichten aus seinem reichhaltigen Fundus. Zugleich ist sie der Ausgangspunkt für eine große Knappen-Karriere – auch wenn es auf dem Weg dorthin noch ein gewaltiges Hindernis zu überwinden gilt: Der laufstarke Nowak steht für die darauffolgende Saison bereits beim Revierrivalen Rot-Weiss Essen im Wort. Es existiert sogar eine Art Vorvertrag. Doch „Schlawiner“ Frühwirth will sich damit nicht abfinden und bringt schließlich seine Geheimwaffe in Stellung: Rolf Nölle. Der Handballer baut sich vor dem 1,76-Meter-Mann Nowak auf und brummt: „Hans, wenn du wirklich nach Essen gehst, wirst du das erste Jahr dort auf der Tribüne verbringen – dann brech‘ ich dir nämlich beide Beine.“

Wie Hans Nowak auf Schalke zum Publikumsliebling aufsteigt, ihn eine Umschulung in die Nationalelf sowie zu Bayern München führt und wo er während seiner zweiten Karriere als PR-Manager eines Sportartikelherstellers einen späteren Weltfußballer entdeckt, erfahren Mitglieder im aktuellen Schalker Kreisel.

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