Schalker Kreisel: „Carsten, du hast eine Leistungszerrung ...“

Carsten Marquardt war in den 1980er-Jahren ein Shootingstar auf Schalke – trotz bloß 82 Bundesliga- und Zweitliga-Partien in sechs Jahren. Doch einer seiner zehn Pflichtspieltreffer für den S04 schrieb Geschichte.

Carsten Marquardt

„Es war an einem Freitagabend in Wattenscheid“, sprudelt es aus Carsten Marquardt heraus. „Das Spiel war fast zu Ende, von rechts kam eine Ecke rein. Ich glaube, im Wattenscheider Tor stand Ralf Eilenberger.“ Während der 54-Jährige erzählerisch kräftig Anlauf nimmt, flimmert beim Zuhörer das Kopfkino über die Leinwand. Den Eckball tritt der unnachahmliche Ingo Anderbrügge, mit links zum Tor hingezogen. Ein Wattenscheider Verteidiger steigt am höchsten, doch die Kugel kommt unweit des linken Fünfmeterraum-Ecks wieder runter. Marquardt, mit dem Rücken zum Tor, erläuft den Ball – und geht volles Risiko. „Ich habe ihn ziemlich spektakulär genommen, per Fallrückzieher. Tja, und als nächstes lag ich unter einer Traube von zehn Spielern.“ Was in diesem Moment noch keiner weiß: Schalke bejubelt nicht nur den 1:0-Siegtreffer, sondern auch das „Tor des Monats“ im Oktober 1988.

Carsten Marquardt

Marquardts Kunstschuss am 14. Spieltag der Zweitliga-Saison 1988/1989 war vermutlich einer seiner wichtigsten Treffer in Königsblau, ganz sicher aber der schönste. „Ich erinnere mich noch genau an die ,Tor des Monats‘-Ehrung im Kölner Studio der ARD-Sportschau. Ein Clubmitarbeiter hatte mir vorher einen Sticker unseres damaligen Trikot-Sponsors RH-Alurad auf den Pullover geklebt. Moderator Heribert Faßbender erblickte das Emblem, schüttelte den Kopf und sagte: ,Tut mir leid, aber mit dem Logo von RTL dürfen Sie hier nicht auftreten.‘“ Eine weitere Einladung verpasst Marquardt um wenige Zuschauerstimmen: Bei der Wahl zum „Tor des Jahres“ belegt sein Fallrückzieher nur Rang zwei, weil Bayerns Jürgen Wegmann einen ähnlichen Treffer erzielt hat – allerdings aus elf Metern Entfernung.

Traumverein Nummer eins

Rückblick, Frühjahr 1984: Carsten Marquardt ist A-Junioren-Jungjahrgang bei Rot-Weiß Oberhausen, als ihn die ersehnte Anfrage seines Traumvereins erreicht, besser gesagt: seines Traumvereins Nummer eins. „Ich war als Jugendlicher tatsächlich Fan von Schalke und von Borussia Mönchengladbach“, erzählt er grinsend. Ein Angebot offerieren aber nur die Knappen, die den Offensivmann zur kommenden Saison in ihren Nachwuchs einbauen wollen ¬– mit Perspektive auf mehr. Marquardt ist den S04-Talentspähern wegen seiner Schnelligkeit aufgefallen, die in Oberhausen sogar urkundlich erwähnt ist: „Bei den Leichtathletik-Schulstadtmeisterschaften bin ich die 100 Meter mal in 11,1 Sekunden gelaufen. Handgestoppt.“

Wie Carsten Marquardt sich Respekt verschafft hat, wofür ihn Rolf Schafstall ordentlich einnordete, und wem er trotz Degradierung nicht böse ist – all das lesen Vereinsmitglieder im achtseitigen „Mythos“ im neuen Schalker Kreisel, exklusiv in der App oder als Desktop-Version.

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