Marius Bülter im Kreisel-Interview: Königsblauer im zweiten Anlauf

Ein Musterbeispiel für alternative Karrierepfade im Fußball heißt Marius Bülter. Im neuen Schalker Kreisel blickt der Stürmer zurück auf erste Stationen, erfolgreiche Studentenzeiten und frühe S04-Avancen.

Marius Bülter im Kreisel-Interview

Marius, nimm uns mit auf die Reise, die dich ins Schalker Trikot geführt hat. Geboren bist du in Ibbenbüren, aufgewachsen in Hörstel, tiefstes Münsterland also …
Dreierwalde, eine Gemeinde in Hörstel, ist ein wirklich kleines Dorf, da kennt jeder jeden. Man kann sich das als typisches Landleben vorstellen, für mich war es eine schöne Kindheit, die zu großen Teilen aus Schule und aktiven Nachmittagen mit den Kumpels an der frischen Luft bestand. In erster Linie natürlich mit: Fußball. Von den klassischen Dorffesten habe ich aber nicht mehr viel mitbekommen, weil sich mein Lebensmittelpunkt und der Freundeskreis mit dem Wechsel aufs Gymnasium in die nächstgrößere Stadt nach Rheine verlagert haben.

Mit 13 Jahren bist du in den Nachwuchsbereich des SC Preußen Münster gewechselt, einem der Aushängeschilder der Region. Hat das der Hoffnung auf dem Weg zum Profi einen Schub gegeben?
Neben Preußen gab es auch den VfL Osnabrück, dazu natürlich Schalke und einen anderen Club aus der Nähe. Das waren die Großen, bei denen man es in jungen Jahren packen will. Wenn man es dort in den Jahrgang schafft, denkt man auch mal daran, wie es wohl wäre, Profifußballer zu werden.

Mit Rheine und beim SV Rödinghausen hast du fünfte und vierte Liga gespielt. Hochklassig, aber noch immer Amateurfußball. Wie greifbar ist da der Profibereich?
Während meiner Zeit in Rheine war das Thema ganz weit weg, da habe ich keinen Gedanken an Profifußball verschwendet. In Rödinghausen war es anders, weil dort bereits annähernd unter Profibedingungen trainiert wurde. Die Dritte Liga, und damit das Tor zum Profibereich, ist nicht weit weg. Aber die Erste und Zweite Liga sind noch ein gutes Stück entfernt.

Für einen anderen Verein hätte ich es nicht gemacht.

Marius Bülter

Du hast parallel auf den akademischen Weg gesetzt und Maschinenbau studiert. Wieso ausgerechnet dieses Fach?
Auch mein Vater hat Maschinenbau studiert, das war sicher einer der Hauptgründe. Durch ihn fand ich den Bereich ziemlich spannend, und Mathematik hatte mir in der Schule neben Sport am meisten Spaß gemacht. Außerdem habe ich es aus dem Blickwinkel betrachtet, was mir später gute Perspektiven in der Jobsuche ermöglicht.

Dein erstes Bundesliga-Spiel hast du mit 26 absolviert. Worin unterscheidet sich der Profi Marius Bülter mittlerweile vom Studentenfußballer von vor fünf Jahren?
Erheblich, das kann man durchaus so sagen. Wenn ich mich mit damals vergleiche, verhalte ich mich deutlich anders. Manch einer hat mich gefragt, warum ich das nicht eher gemacht habe, doch ich bin ganz froh über den Lauf der Dinge. Schließlich waren die Jahre vor meiner Profizeit auch cool – und auf den Tisch kamen nicht bloß Pizza und Fastfood. Aber die WG-Jahre waren toll, damals hatte ich noch nicht den Druck, den man später als Profi im Alltag spürt.

Trotz Spätstarts hast du es in die Geschichtsbücher geschafft: Beim ersten Bundesliga-Sieg der „Eisernen“ – einem 3:1 über Borussia Dortmund – warst du als Doppeltorschütze entscheidend beteiligt.
Ein super Gefühl, an diesem Abend hat einfach alles gepasst. Das wird kein Unioner mehr vergessen, und es bleibt auch für mich eine tolle Erinnerung, von der ich selbst in Jahrzehnten noch erzählen kann.

Nach zwei Jahren in der Hauptstadt hast du dich für den Schritt zum S04 und damit zurück in die Zweite Liga entschieden. Objektive Betrachter fragen sich: wieso?
Weil es Schalke ist. Für einen anderen Verein hätte ich es nicht gemacht. Doch für Schalke spielen zu dürfen, erfüllt einen Fußballer mit Stolz, deshalb wollte ich diese Chance nutzen. Außerdem ist es eine spannende Herausforderung, diesen Club wieder dorthin zu bringen, wo er hingehört. Dass ich nun wieder näher an der Heimat bin, hat nur eine kleine Rolle gespielt.

Man spürt deutlich, wie viel Herzblut die Menschen in den Verein stecken und was er für die Leute und die Region bedeutet.

Marius Bülter

Dabei war es nicht die erste königsblaue Anfrage, die du erhalten hast …
Nach meinem ersten Jahr in Rödinghausen kam schon einmal ein Anruf vom S04, allerdings aus der U23. Damals habe ich nicht zu einhundert Prozent das Gefühl gehabt, dass es passt. Zudem lief parallel noch mein Studium. Umso schöner, dass es im zweiten Anlauf geklappt hat!

Wie hast du Schalke 04 in deinem ersten halben Jahr hier wahrgenommen?
Man spürt deutlich, wie viel Herzblut die Menschen in den Verein stecken und was er für die Leute und die Region bedeutet. Einfach Wahnsinn, wie die Menschen hier mitgehen, sowohl bei Erfolg als auch bei Misserfolg. Der Fußball wird richtig gelebt. Und man selbst kann als Sportler viel beitragen, wenn man alles für den Club raushaut.

Spürst du Druck, den Erfolg zurückbringen zu müssen?
Die Erwartungshaltung war mir und allen anderen Zugängen im Vorfeld völlig bewusst. Bei einem solch großen Verein herrscht auch großer Druck – und wir selbst machen uns ja auch welchen, denn jeder würde am liebsten in der Bundesliga spielen. Das merkt man jedem Einzelnen hier an, also müssen wir mit dem Druck umgehen.

Wie Marius Bülter mit Enttäuschungen umgegangen ist, was er über Freundschaften denkt, und was er noch über die Konstruktion von Klebevorrichtungen weiß – all das lesen Vereinsmitglieder im neuen Schalker Kreisel, exklusiv in der App oder als Desktop-Version.

Schalker Kreisel

Wie Marius Bülter mit Enttäuschungen umgegangen ist, was er über Freundschaften denkt, und was er noch über die Konstruktion von Klebevorrichtungen weiß – all das lesen Vereinsmitglieder im neuen Schalker Kreisel, exklusiv in der App oder als Desktop-Version.

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