Oliver Held im Kreisel-Interview: Ich wäre der sechste Schütze gewesen

Vor 25 Jahren warf sich Oliver Held in ein königsblaues Abenteuer, das aus dem zuverlässigen Mann in zweiter Reihe einen Eurofighter und Vizemeister machte. Im neuen Schalker Kreisel blickt der 47-Jährige auf sechs unvergessliche Spielzeiten im S04-Trikot zurück.

Oliver Held

Oliver, wie lautete dein Auftrag, als du am 21. Mai 1997 in der 111. Spielminute den Rasen des Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadions betreten hast?
Ich kam für Radek Latal in die Partie und hatte eigentlich drei Dinge mit auf den Weg bekommen. Erstens: zusehen, dass über unsere rechte Abwehrseite nichts anbrennt. Es stand ja 1:0 für Inter, nachdem wir das Hinspiel mit 1:0 gewonnen hatten – ein weiterer Treffer für die Italiener hätte also das Ende unserer Träume bedeutet. Zweitens: Ich sollte Druck machen und schauen, ob offensiv noch was geht. Schließlich waren wir nach dem Platzverweis gegen Salvatore Fresi in Überzahl.

Und der dritte Teil deiner Mission?
Wenn ein Trainer in einem Spiel, das aufs Elfmeterschießen zusteuert, so spät auswechselt, macht er das immer auch mit Blick auf die möglichen Schützen.

Jubel nach dem UEFA-Cup-Sieg in Mailand

Huub Stevens hatte dich also vorgesehen?
Letztlich mussten ja nur vier von uns antreten: Ingo Anderbrügge, Olaf Thon, Martin Max und Marc Wilmots. Als Nummer fünf hätte wahrscheinlich Johan de Kock geschossen. Und ich vermute mal: Ich wäre der sechste Schütze gewesen.

War das so besprochen?
Nein, Stevens benannte die Spieler einzeln, Durchgang für Durchgang. Ich hätte aber keine Sekunde gezögert, da ich immer ein sicherer Elfmeterschütze war. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, jemals verschossen zu haben.

Zunächst sah es so aus, als wolltest du die Entscheidung früher erzwingen: Unmittelbar nach deiner Einwechslung hast du Inters Linksverteidiger Pistone zum Tänzchen gebeten und entschlossen in die Mitte geflankt – allerdings hinters Tor.
(schmunzelt) Wie gesagt, ich sollte schauen, ob offensiv noch was geht. Ich war ja frisch.

Empfang der Eurofighter im Parkstadion

Hattest du wackelige Knie, als du in dieser entscheidenden Phase in so ein wichtiges Spiel gekommen bist?
Am Abend vorher hatte ich vielleicht ein Stündchen länger zum Einschlafen gebraucht als sonst. Als ich während des Spiels auf der Bank saß, überkam mich ebenfalls der eine oder andere Gänsehaut-Schauer. Es waren gefühlt 100.000 Zuschauer im Stadion, und es kann mir keiner erzählen, dass er angesichts dieser Kulisse keinen Respekt empfand. Andererseits hatten wir 30.000 mitgereiste Schalker im Rücken. Das zu spüren, war überragend. Außerdem waren wir so gefestigt, dass wir auf dem Platz nichts und niemanden zu fürchten brauchten. Auch wenn wir während des Hinflugs nicht offen über den Titel gesprochen hatten, keiner von uns wollte in Mailand bloß einen guten Eindruck hinterlassen. Wir alle wollten nur eins: den Pott in den Pott holen.

Im kompletten Interview in der neuen Ausgabe des Schalker Kreisels verrät Oliver Held außerdem, an welchem ungewöhnlichen Ort S04-Manager Rudi Assauer ihn einst entdeckte, welche Notlüge er bereut und womit er heute sein Geld verdient. Das neue Mitgliedermagazin ist exklusiv in der Schalker Kreisel App (Web App | Apple Store | Google Play) abrufbar.

Das könnte dich auch interessieren

Peter Knäbel

Peter Knäbel: Nicht jammern, sondern anpacken

Eine unvergleichliche Saison 2019/2020 liegt hinter der Knappenschmiede. Die Corona-Krise setzte Mitte März dem Spiel- und Trainingsbetrieb ein jähes Ende und stellte alle Beteiligten vor nie dagewesene Herausforderungen. Aus sportlicher Sicht wurde an einigen Stellschrauben gedreht, und das eine oder andere Nachwuchstalent schnupperte Bundesliga-Luft. Im Interview mit schalke04.de zieht Peter Knäbel, Technischer Direktor Knappenschmiede und Entwicklung, eine erste Bilanz.

Nassim Boujellab

Nassim Boujellab im Kreisel-Interview: Unmaskiert

Hinter Nassim Boujellab liegen bewegte Monate. Über sein erstes Profijahr und die eigenen Wurzeln spricht der 21-Jährige im neuen Schalker Kreisel.

Martin Max

Martin Max: Schalke gewinnt, aber Philipp trifft!

Wenn der FC Schalke 04 gegen den FC Augsburg spielt, schlagen stets zwei Herzen in der Brust von Martin Max. Der Grund: Bei den Fuggerstädtern spielt mit Philipp der Sohn des Eurofighters. Im Interview mit schalke04.de spricht der zweimalige Bundesliga-Torschützenkönig über das Duell am Sonntag (24.5.) in der VELTINS-Arena. Weitere Themen des Gesprächs: der Jahrestag des UEFA-Cup-Triumphs, die Situation in der Knappenschmiede und seine aktuellen sportlichen Aktivitäten.

Rabbi Matondo

Rabbi Matondo: Versuche immer, positive Energie auszustrahlen

Es sind ungewohnte Zeiten, aber auch in diesen versucht Rabbi Matondo, seinen Humor nicht zu verlieren. Im Interview mit schalke04.de verrät 19-Jährige, was er aktuell am meisten vermisst, welche Mannschaftskollegen ihn zum Lachen bringen und welche Ziele er für die am Wochenende wiederbeginnende Saison verfolgt.