Peter Knäbel im Kreisel-Interview: Wir sind Fußballer, wir wollen gewinnen!

Vor nicht mal vier Monaten hat Peter Knäbel als Vorstand Sport und Kommunikation große Verantwortung beim FC Schalke 04 übernommen und bereits viel bewegen müssen. Im ausführlichen Interview mit dem Schalker Kreisel spricht der 54-Jährige über Ambitionen, den aktuellen Stand und den nötigen Umgang des Vereins mit der Drucksituation.

Peter Knäbel

Peter, Königsblau erlebt einen riesigen Umbruch mit rund 70 Personalentscheidungen, die Zweite Liga startet früh, das Transferfenster schließt spät, die Pandemie hat auch die Wechselbörse verlangsamt. Wo steht Schalke?
Komplexer geht es nicht, vor allem, wenn man bedenkt, wo wir herkommen. Viele Verträge stammen aus dem damaligen Selbstverständnis als Champions-League-Teilnehmer. Jetzt sind wir in der Zweiten Bundesliga. Das einerseits professionell abzumoderieren und andererseits eine Brücke zur Zukunft zu schlagen, ist die Aufgabe; Schalke so zu formen, dass die Menschen wieder sagen: „Das ist meine Mannschaft, mit Spielern, mit denen wir uns wieder identifizieren können.“ Der Kader wird sich noch weiter verändern, aber wir sind bereits weit gekommen.

Allein wegen des Zeitfraßes hast du von Beginn an eine klare Trennlinie gezogen zwischen deiner strategischen Arbeit und dem Posten eines Sportdirektors, den Rouven Schröder inzwischen übernommen hat.
Ich wollte einen starken, handlungsfähigen Sportdirektor haben, weil du als Vorstand nicht gleichzeitig in der Kabine, auf dem Transfermarkt und in einem DFL-Termin sein kannst. Der Fußballmarkt muss Schalke aber überall und jederzeit spüren. So etwas funktioniert nicht, wenn du es auf zu wenige Köpfe verteilst. Ich bin mir sicher, dass wir es richtig strukturiert haben, denn so ist inzwischen auch unsere Konkurrenz aufgestellt. Jetzt geht es darum, das Miteinander positiv zu entwickeln und aus Vorstandssicht eng zu begleiten.

Komplexer geht es nicht, vor allem, wenn man bedenkt, wo wir herkommen.

Peter Knäbel

Die Zweite Liga umweht gerade der Duft, nominell womöglich die attraktivste der Geschichte zu sein. Folglich auch die Schwierigste?
(grinst) Sehr gute Frage. So was habe ich irgendwann früher schon mal gehört und mich nach manchem Spiel gefragt, ob das jetzt wirklich besser war als vorher. Ich glaube nicht, dass die Zweite Bundesliga eine Überflutung mit qualitativ besseren Spielern haben wird. Aber: Die Spieler werden alle besser spielen, weil die Fans wieder da sind – und weil wir massiv viele Fans haben werden. Das finde ich wunderbar. Die Qualität liegt nicht in der dritten Eckballvariante, die es mehr gibt, sondern im Emotions-Management. Entscheidend für uns ist, wie wir die Emotionen, die uns unsere Fans mitgeben, positiv kanalisiert bekommen.

Was geben Schalker dir mit auf den Weg?
Bis jetzt vernehme ich den Tenor: Wir freuen uns wie Bolle auf die Saison. Das ist eine Melange aus dem Fan-Gefühl, wieder da zu sein, und den Protagonisten, die wir aufgestellt haben. In erster Linie höre ich: „Wir freuen uns und trauen euch was zu.“ Dieses Vertrauen schätze ich sehr und nehme es nicht als Druck wahr, sondern als pure Fußballfreude auf Schalke.

Druck ist trotzdem vorhanden, intern wie extern. Wird das die Kunst sein, ihn auszutarieren: also den Druck der Gegner auszuhalten, ohne selbst unter dem Aufstiegsdruck einzuknicken?
Das wird tatsächlich eine der Schlüsselqualitäten werden: mit dem Druck umzugehen, den sich jeder ohnehin macht. Bei diesem Thema bin ich sehr aufmerksam. Natürlich ist der Druck da, das muss man offen ansprechen, um erfolgreich zu sein. Auch das Trainerteam muss seine innere Kraft und Balance finden und dann im Zusammenspiel mit der Mannschaft kanalisieren. Uns ist klar, wie vielen Menschen es unfassbar viel bedeutet, was hier in nächster Zeit passiert. Da muss man aufpassen, dass nicht zu viel Druck auf dem Kessel ist. Aber wir sind Fußballer, wir wollen das doch: Wir wollen gewinnen!

Wie der Vorstand die Systemfrage beantwortet, warum Dimitrios Grammozis der richtige Chef-Coach ist, und wie der ausgebildete Fußballlehrer Peter Knäbel das große Spiel sieht – all das lesen Vereinsmitglieder im neuen Schalker Kreisel.

Schalker Kreisel App

Das könnte dich auch interessieren

Simon Terodde im Kreisel-Interview

Simon Terodde im Kreisel-Interview: Traditionalist

Seine fußballerische Vita lässt es erahnen: Simon Terodde hat einen Hang zu Traditionsvereinen. Seit dieser Saison schaltet der Stürmer für Königsblau auf Angriff. Er weiß, der Druck ist groß, doch das pusht ihn. Im ausführlichen Interview mit dem Schalker Kreisel verrät der 33-Jährige, was ihn sonst noch bewegt, wie seine Liebe zur Heimat, seine Leidenschaft für den Fußball und das erste Gänsehaut-Erlebnis in der VELTINS-Arena.

Axel Hefer und Moritz Dörnemann

Axel Hefer und Moritz Dörnemann im Kreisel-Interview: Wir müssen als Team agieren!

Seit Mitte Juli ist Axel Hefer der neue Vorsitzende des Schalker Aufsichtsrats und Moritz Dörnemann sein Stellvertreter. In seinem ersten Interview spricht das Duo in der Digitalausgabe des neuen Schalker Kreisels über weitere Veränderungen im Gremium, die Pläne zur Besetzung der vakanten Vorstandsstelle sowie den nötigen Kulturwandel im Verein.

Tom Dooley

Was macht eigentlich … Tom Dooley?

Thomas „Tom“ Dooley trug von 1995 bis 1997 das königsblaue Trikot. Der Weltenbummler kann als Spieler und Trainer eine beeindruckende Vita vorweisen. Im Interview mit schalke04.de spricht der ehemalige Verteidiger über seine verschiedenen Trainerstationen, seine Bücher, die Zeit in der US-amerikanischen Nationalmannschaft und Landsmann Matthew Hoppe.

Florian Flick

Florian Flick: Jedes Spiel hat einen ganz besonderen Reiz

Nachdem Florian Flick im Endspurt der abgelaufenen Saison erstmals Profiluft schnuppern durfte, zählt der 21-Jährige nun fest zum Lizenzspielerkader. Im Interview mit schalke04.de spricht der Mittelfeldmann über seinen sportlichen Werdegang, sein Bundesligadebüt unweit der Heimat, Feedback von Dimitrios Grammozis und seinen Spitznamen.