Timo Becker im Kreisel-Interview: Unverhofft

Mit dem Schritt zu den S04-Profis ging für Timo Becker ein Traum in Erfüllung. Im Schalker Kreisel spricht der Verteidiger über seine Schleife durch die Regionalliga und den ungeplanten Verlauf nach seiner Rückkehr zu Königsblau.

Timo Becker

Timo, 2013 schien dein Weg auf Schalke nach sechs Jahren zu enden.
Eine schwierige Zeit für mich, ich hatte ein Jahr lang nicht gespielt, und im Sommer sollte der Schritt in die U17 folgen. Doch es zeichnete sich ab, dass ich dort nicht spielen würde, also musste ich mich nach Alternativen umsehen. Aus der Junioren-Bundesliga meldete sich schließlich Rot-Weiss Essen – und diese Chance musste ich ergreifen. Anderenfalls hätte ich nur tiefer weiterspielen können.

Richtige Entscheidung, wenn man bedenkt, dass dir dort der Schritt in den Seniorenbereich gelang. Wie gewichtig fiel die Umstellung aus?
Es war eine harte Zeit, in der man sich erst einmal durchboxen muss. Hierarchie ist in der Regionalliga ein noch größeres Thema als in der Bundesliga, weil dort ein Talent selten so richtig durchstartet, sondern zuvor bereits in höhere Ligen geht.

Gab es auf die Knochen?
Und wie! Man geht mit Ehrgeiz ins neue Team, aber dort wird dir erst einmal gezeigt, wie der Hase zu laufen hat. Da hatte ich einige Zeit mit zu kämpfen, in der Jugend war ich vom technisch versierten Fußball nahezu verwöhnt. Und plötzlich wirst du auf dem Feld gekniffen, oder beim Eckball steht dir ein Gegenspieler auf dem Fuß. An die Körperlichkeit muss man sich gewöhnen.

Ich wollte mich für andere ins Schaufenster stellen und meinen Herzensclub als Sprungbrett nutzen. Dass es schließlich so verläuft, wie es gekommen ist, hätte ich nie ahnen können.

Timo Becker

Hast du zu der Zeit schon gespürt, dass die Regionalliga nicht das Ende sein muss?
Zu Beginn war es schwierig, aber ich habe mich kontinuierlich auf ein gewisses Level hochgearbeitet. Mit der Zeit wurde ich Stammspieler und ich bekam viel Zuspruch und auch für mich selbst das Gefühl, dass Potenzial für mehr vorhanden ist. Ich habe gespürt, dass die vierte Liga nicht die letzte Station ist.

An dieser Stelle kam der S04 wieder ins Spiel?
Jein. In Essen lief 2019 mein Vertrag aus, und ich war wirklich überzeugt davon, dass ich einen Club in der 3. Liga finden würde. Dem war allerdings nicht so. Nach einiger Zeit kam Schalke in Person von Knappenschmiede-Scout Manfred Dubski auf mich zu und bot an, dass ich mich dort erneut präsentieren könnte.

Mit Ausblick auf mehr?
Das war damals überhaupt nicht mein Gedanke, um ehrlich zu sein. Ich habe die Chance gesehen, mich in meinem letzten U23-Jahr in einem Bundesliga-Unterbau zu zeigen und nach einem Jahr dann den aufgeschobenen Schritt hin zu einem Drittligisten gehen zu können. Ich wollte mich für andere ins Schaufenster stellen und meinen Herzensclub als Sprungbrett nutzen. Dass es schließlich so verläuft, wie es gekommen ist, hätte ich nie ahnen können.

Wieso er schon mit drei Jahren die Gelsenkirchener Amateurclubs aufgewirbelt hat, was er aus bisherigen Krisen mitgenommen hat und was er sich für seine Zukunft im Ruhrpott wünscht – all das lesen Vereinsmitglieder im neuen Schalker Kreisel.

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