#stehtauf im Schalker Kreisel: Biografien einer oft vergessenen Gruppe

Im Mittelpunkt des bundesweiten Gedenktags im deutschen Fußball am 27. Januar stehen dieses Jahr besonders diejenigen, die aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität während der NS-Zeit stigmatisiert und brutal verfolgt wurden. Der Schalker Kreisel zum Heimspiel gegen den FC Bayern München stellt fünf Biografien von Männern aus Gelsenkirchen vor, die aufgrund ihrer Homosexualität verfolgt wurden - sie stehen exemplarisch für das Leid einer oft vergessenen Gruppe.

#stehtauf

Weit über 10.000 Menschen verschleppten die Nationalsozialisten in die Vernichtungslager. Besonders tragisch: Ihre Verfolgungsgeschichte ist nicht mit dem Zweiten Weltkrieg geendet.

Auch Probleme der Gegenwart sind Teil der Betrachtung, so ist Homophobie im Fußball immer noch ein aktuelles Thema, das es zu diskutieren und auf breiter Ebene zu bekämpfen gilt. Die Zahl derer, die sich für Diversität, Dialog sowie ein menschliches Miteinander einsetzen, wird immer größer. Wie groß das Engagement vieler Menschen ist, möchte der Schalker Kreisel sichtbar machen.

Friedrich Wessel

Friedrich Wessel ist 39 Jahre alt, als die SS ihn bei einem angeblichen Fluchtversuch aus dem KZ ermordet. Als eins von fünf Kindern wird er am 6. Juli 1902 in Ückendorf, heute ein Stadtteil Gelsenkirchens, geboren. Sein Vater Ferdinand ist Bergmann und stirbt bereits 1918. Auch Mutter Wilhelmine muss das grausame Ende ihres Sohns nicht mehr erleben, sie stirbt 1931. Wessel arbeitet als Plakatmaler und lebt in Wattenscheid (heute Bochum-Wattenscheid) als die Bochumer Polizei ihn 1939 wegen seiner Homosexualität verhaftet und er zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wird.

Am 13. Februar 1942 findet sich sein Name auf der Zugangsliste des KZ Buchenwald bei Weimar. In einem entmenschlichten System „wird“ er fortan zur Nummer 6835, die vor ihm bereits vier andere Häftlinge trugen. Mit der Bezeichnung „BV Homosex.“ stigmatisieren ihn die Nazis zu einem Berufsverbrecher und jemandem, der nach Ansicht der NS-Justiz mehr als einen Mann „verführt“ hat.

Das Protokoll seiner Ermordung ist durch den detaillierten Bericht des Lagerarztes überliefert und lässt den Leser auch nach fast 80 Jahren erschüttert zurück. Aus heutiger Sicht muss der Fluchtversuch angezweifelt werden, weil sich dahinter – wie wir heute wissen – eine beliebte Mordmethode der SS verbarg: Sie rissen einem Häftling die Mütze vom Kopf und warfen sie hinter die Postenkette. Folgte er dem Befehl nicht, die Mütze zu holen, tat man ihm schlimmste Gewalt an. Folgte er jedoch der Aufforderung, wurde er hinterrücks erschossen. Friedrich Wessel hat also keine Überlebenschance an jenem 7. Mai 1942.

Die Biografien von Friedrich Wessel und vier weiteren Gelsenkirchenern sind Teil einer großen Strecke zur #stehtauf-Aktionswoche des FC Schalke 04 – sie findet auch diesmal wieder rund um den bundesweiten Gedenktag am 27. Januar statt. Dabei werden Aktionen gegen Ausgrenzung, Rassismus und Diskriminierung durchgeführt und präsentiert. Am Ende der Woche verleihen der FC Schalke 04 und die vereinseigene Stiftung Schalke hilft! erneut die Ernst Alexander Auszeichnung.

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