Anne Theke mit Dietmar Schacht und Peter Sendscheid

Am Donnerstagabend (21.1.) begrüßte die Abteilung Fanbelange im ehemaligen Tabakladen der beiden Fußballidole Ernst Kuzorra und Stan Libuda wieder 14 vorab ausgewählte Fans, um gemeinsam mit den alten Schalkern Dietmar Schacht und Peter Sendscheid einen launigen Streifzug durch die Achtziger und Neunziger Jahre im Parkstadion zu unternehmen.

Beide waren im Sommer 1989 von Alemannia Aachen zum S04 gewechselt – und das obwohl sie in der Vorsaison in der 2. Liga mit der Alemannia um den Aufstieg mitgespielt hatten während Königsblau nur knapp den Sturz in die Drittklassigkeit verhindern konnte. „Schalke war ein großer Begriff und eine große Nummer. Der S04 war gefühlt kein Zweitligaclub, sondern ein Traditionsverein, der in die 1. Liga gehörte. Deshalb haben wir uns bewusst für Schalke entschieden“, erklärte Sendscheid.

Ganz rund lief es bekanntermaßen mit der Rückkehr in die 1. Liga nicht – am 33. Spieltag der Saison 1989/1990 unterlag Schalke beim späteren Absteiger Hessen Kassel mit 0:2, verspielte dadurch faktisch den Aufstieg und löste bei den mitgereisten Fans grenzenlose Wut aus. Im Stadion wurden Zäune eingerissen, der Mannschaftsbus mit Flaschen beworfen und die Spieler noch bei der Rückkehr nach Gelsenkirchen übelst beschimpft. Ein Tiefpunkt an den sich beide heute noch erinnern, als wäre  es gestern gewesen. Dennoch nahm Dietmar Schacht aus den unerfreulichen Ereignissen eins mit: „Da wusste man aber allerspätestens, was dieser Verein den Menschen bedeutet… .“

Nur ein Jahr später war schlug dann das Pendel der Gefühle ins andere Extrem aus: Der Aufstieg in die Bundesliga wurde so groß gefeiert, wie noch nie der Aufstieg eines Zweitligisten davor. Das Saisonfinale blieb vor allem für Sendscheid in Erinnerung. Am drittletzten Spieltag lag man gegen Fortuna Köln mit 0:1 zurück, ehe dann Alexandr Borodjuk für den Ausgleich sorgte und Sendscheid den 2:1 Siegtreffer erzielte. Mit dem Schlusspfiff explodierte das Parkstadion, denn durch den Sieg wurde die Rückkehr ins Oberhaus gesichert und die Fans stürmten den Platz.

Dietmar Schacht, dessen Zweikämpfe im Parkstadion von den Fans oft mit einem langgezogenen „Diiiidiiiii“ begleitet wurden, musste wenig später seine Karriere aufgrund von Arthrose in den Sprunggelenken beenden. An sein letztes Spiel erinnert er sich aber ausgesprochen gerne, denn es war ein 5:2-Derbysieg, der nach den Jahren der Derby-Abstinenz auf Schalke für große Euphorie sorgte. Schacht wollte eigentlich wegen Schmerzen nicht spielen, doch Trainer Aleksandar Ristic sagte ihm in seiner ganz eigenen Art: „Fährst Du Rolltreppe runter, siehst Du nur Blau und Weiß – Schmerzen weg und spielst Du“. Genauso kam es dann auch. Schacht fuhr die Rolltreppe herunter, sah das blau-weiße Stadion und: “Da habe ich noch ein paar Spritzen genommen, Tabletten eingeworfen und gespielt. War ja dann auch nicht das schlechteste Ergebnis zum Karriereende.“

Sendscheid hingegen war noch einige Jahre länger für die Knappen aktiv, ehe auch er 1994 seine Karriere aufgrund von Knieproblemen beenden musste. Im Tabakladen wies der Offensivspieler darauf hin, dass schon 1993/1994 bereits 8 Spieler im Kader (Lehmann, Müller, Linke, Eigenrauch, Anderbügge, Büskens, Nemec und Mulder) waren, die später den UEFA-Cup gewannen. Sendscheid: „Das waren tolle und verrückte Typen und hervorragende Fußballer. Dass es so durch die Decke gehen würde, konnte man nicht erwarten, aber eine Ahnung über die stetige Entwicklung in Richtung internationaler Plätze war vorhanden.“

Nach über zwei Stunden zogen die beiden Ex-Schalker ihr Karriere-Fazit: „Wir sind froh, damals Profi gewesen zu sein. Es war eine mehr als schöne Zeit mit vielen tollen Erfahrungen“. Nach zahlreichen lustigen und interessanten Geschichten von Vorständen, Trainern und Mitspielern blieben am Ende keine Fragen mehr offen. Im Anschluss war noch genügend Zeit für Erinnerungsfotos, Autogramme und ein bisschen Klönen im kleinen Kreis. Bei dem einen oder anderen Kaltgetränk und leckeren Frikadellen klang der Abend dann gemütlich und zufriedenstellend für alle Teilnehmer aus.

Nach dem Karriereende absolvierte Sendscheid zunächst ein BWL-Studium und war anschließend in der Marketing-Abteilung des S04 tätig. Heute arbeitet er im Vertrieb eines Büromöbelherstellers. Schacht hingegen schlug die Trainerlaufbahn ein und war unter anderem für den FC Remscheid, den Frauen-Bundesligisten SC Bad Neuenahr, den FC Vaduz (Liechtenstein) und den SV Bergisch Gladbach tätig. Aktuell ist er Sportlicher Leiter und Trainer beim Duisburger Traditionsclub Hamborn 07. 

Dietmar Schacht

  • Geboren am 28. September 1962
  • Profi auf Schalke von 1989-1992
  • 67 Spiele und 7 Tore für den S04
  • Heute Trainer von Hamborn 07

 

Peter Sendscheid

  • Geboren am 28. September 1965
  • Profi auf Schalke von 1998-1995
  • 149 Spiele und 46 Tore für Schalke
  • Bis heute Spieler der Traditionself