Amine Harit: Ich habe sehr viel gelernt

Hinter Amine Harit liegt eine schwere Zeit. Der 22-Jährige präsentierte sich zuletzt aber hochmotiviert, um wieder an die Leistung aus seiner Premieren-Saison in der Bundesliga anzuknüpfen. Beim Interviewtermin mit schalke04.de überraschte der Marokkaner - er beantwortete sämtliche Fragen auf Deutsch. Der Offensivmann verriet, wie er die Sprache gelernt hat, welches Gesicht er in der anstehenden Saison zeigen möchte und was ihm Kraft für die kommenden Aufgaben gibt.

Amine, welches Gesicht können die königsblauen Anhänger in der anstehenden Saison von dir erwarten? Den spielfreudigen Kicker, der vor zwei Spielzeiten von den Fans in Deutschland aufgrund seiner Leistungen zum „Rookie of the Year“ gewählt wurde? Oder einen Fußballer, der sein Potenzial wie im Vorjahr nicht immer voll ausschöpft?
Ich bin hochmotiviert und will zeigen, was in mir steckt. In meiner ersten Saison auf Schalke lief vieles sehr, sehr gut. Für mich persönlich und vor allem für die Mannschaft. Das Ganze endete mit der Vizemeisterschaft und der persönlichen Auszeichnung für mich. Diese Leistungen haben sich im Vorjahr leider nicht wiederholt. Ich möchte die vergangene Spielzeit deshalb schnell vergessen machen und wieder an die Leistungen anknüpfen, die dafür gesorgt haben, dass die Fans mich im Mai 2018 als besten jungen Spieler der Bundesliga auserkoren haben.

Gab es einen Schlüsselmoment, in dem du dir selbst gesagt hast, dass du die Dinge anders anpacken musst?
Den gab es. Die Geburt meiner Tochter Alijah Ende Mai hat mein Leben verändert. Sie gibt mir viel Kraft. Gleichzeitig trage ich nun eine sehr große Verantwortung für meine Familie. Dieser Verantwortung will und muss ich gerecht werden.

Die Geburt meiner Tochter Alijah Ende Mai hat mein Leben verändert.

Amine Harit

In den vergangenen zwölf Monaten spielte nach dem schrecklichen Unfall, in den du verwickelt gewesen bist, sicherlich auch der Kopf eine Rolle. Wie groß war die Belastung für dich?
Es war eine sehr schwere Zeit für mich und ich denke jeden Tag daran. Es war der schlimmste Moment in meinem Leben. Mittlerweile habe ich gelernt, mit diesem Ereignis umzugehen und mich wieder auf den Fußball zu konzentrieren. Aber natürlich kann ich niemals vergessen, was passiert ist. Vor allem tut es mir von Herzen für die Hinterbliebenen des Opfers leid, ich werde sie immer in meinen Gedanken tragen. Der Unfall wird ein Leben lang ein Teil ihrer und meiner Geschichte sein. Ich wünschte, es wäre niemals geschehen.

Dass du als Mensch gereift bist, zeigt auch, dass wir dieses Interview auf Deutsch führen.
Ich habe zuletzt sehr viel gelernt. Der Verein unterstützt mich dabei großartig. Zweimal pro Woche habe ich Deutsch-Unterricht mit Bodo Menze. Auch Massimo Mariotti, der seit wenigen Wochen zu unserem Betreuerstab zählt, unterstützt und ermutigt mich, die Sprache zu sprechen. Außerdem bringen mir meine Mitspieler vieles bei. Es wird von Tag zu Tag besser.

Die Kommunikation funktioniert auch auf dem Platz sehr gut. In den bisherigen Testspielen wirktest du sehr spielfreudig. Welches Feedback hast du bislang vom Trainer bekommen?
David Wagner vertraut mir. Er sagt mir stets, dass ich die Bälle fordern und mir etwas zutrauen soll. Wenn ich die Möglichkeit habe und davon überzeugt bin, dass es klappt, soll ich auch ins Dribbling gehen. Derzeit fühle ich mich auf dem Platz und in der Kabine sehr wohl.

Auf welcher Position siehst du dich im Spielsystem von David Wagner?
Ich kann mehrere Positionen spielen. In der Vorbereitung bin ich zumeist im zentralen offensiven Mittelfeld aufgelaufen. Das gefällt mir. Dort kann ich meine Stärken für die Mannschaft sehr gut einbringen. Wenn der Trainer aber wünscht, dass ich auf dem Flügel spiele, ist das auch kein Problem.

David Wagner vertraut mir.

Amine Harit

Welches Ziel habt ihr euch als Mannschaft für die anstehende Saison gesetzt?
Ich möchte keinen konkreten Tabellenplatz nennen. Aber klar, wir wollen viel, viel besser abschneiden als im abgelaufenen Jahr.

Beim Afrika-Cup gehörtest du zuletzt nicht zum marokkanischen Aufgebot. Mit starken Leistungen im Verein hast du aber die Möglichkeit, dich wieder für die Nationalelf zu empfehlen.
Natürlich ist es ein Ziel, künftig wieder für Marokko aufzulaufen. Aber das hat nicht Priorität. Für mich zählt vor allem Schalke. Alles andere wird sich ergeben. Wenn ich gute Leistungen zeige, werde ich meine Chance bekommen.

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