Thilo Kehrer: Siegeswille hat den Schmerz ausgeblendet

Von einem Zusammenprall mit Robin Quaison trug Thilo Kehrer beim 1:0-Sieg in Mainz ein blaues und vor allem dickes Auge davon. Die Verletzung hinderte den Verteidiger aber nicht daran, die 90 Minuten durchzuspielen. Im Interview mit schalke04.de spricht der U21-Europameister über den Blick in den Spiegel, Sprüche von Mitspielern, die kommende Aufgabe und sein soziales Engagement.

Thilo, die wichtigste Frage zuerst. Wie geht’s deinem Auge?
Es wird besser. Unsere medizinische Abteilung hat mein Auge an den vergangenen Tagen mehrfach erfolgreich behandelt. Noch ist das Ganze aber etwas geschwollen. Das ist aber nichts Überraschendes, da es ein großes Hämatom war. Ich denke, das konnte man während des Spiels ganz gut erkennen (schmunzelt).

Konntest du schon wieder trainieren?
Ich habe mich am Mittwoch wieder etwas herangetastet, weil wir kein Risiko eingehen möchten. Ich hoffe, dass ich am Samstag in Wolfsburg wieder spielen kann.

Ich konnte den Schmerz ausblenden.

Thilo Kehrer

Bist du selbst erschrocken, als du in Mainz in der Halbzeit in den Spiegel geschaut hast?
Kurz nach der Verletzung habe ich mehrfach ans Auge gefasst, weil ich gemerkt habe, dass da etwas anschwillt. Naldo hat mir gesagt, dass es sehr dick ist. Franco Di Santo meinte hingegen, es sei nur ein kleiner Kratzer (lacht). Wie es dann wirklich aussah, habe ich tatsächlich erst in der Halbzeit wahrgenommen. Unsere medizinische Abteilung hat mir aber versichert, dass nichts Schlimmes passieren kann. Und da mein Sichtfeld nicht eingeschränkt war und ich mich gut gefühlt habe, wollte ich unbedingt weiterspielen.

Trotz der Verletzung hast du keinen Zweikampf und kein Kopfballduell gescheut. Wie schafft man es, die Schmerzen auszublenden?
Das war erträglich. Ich war total auf das Spiel fokussiert und voll mit Adrenalin, sodass ich den Schmerz gar nicht so richtig wahrgenommen habe. Außerdem wollte ich gewinnen, da das Spiel für uns sehr wichtig war.

Gab es nach dem Spiel Sprüche im Mannschaftskreis? Breel Embolo beispielsweise hat ein Selfie mit dir gepostet und auf Rocky Balboa verwiesen.
Wie heißt es doch im Volksmund: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen (schmunzelt). Für mich ist das aber kein Problem, die Jungs meinen es ja nicht böse. Ganz im Gegenteil. Auch mein Vater hat mich mehrfach damit aufgezogen. Da wir einen zusätzlichen freien Tag hatten, habe ich meine Familie in Tübingen besucht. Die Zeit in der Heimat tat mir sehr gut.

Fußballerisch war es zuletzt vielleicht nicht immer ein Leckerbissen, aber die Ergebnisse stimmen. Warum gelingt es euch im Moment, die engen Duelle zu euren Gunsten zu entscheiden?
Ich denke, dass der Zusammenhalt in diesem Jahr eine unserer ganz großen Stärken ist. Bei uns stimmt es einfach auf und neben dem Platz. Dieser Teamgeist wirkt sich positiv auf die Leistung aus. Zudem arbeitet jeder Einzelne sehr hart für den Erfolg der Mannschaft.

Unser Teamgeist wirkt sich positiv auf die Leistung aus.

Thilo Kehrer

Euer kommender Gegner kämpft ebenso wie die Mainzer um den Klassenverbleib. Wie geht ihr die Partie in Wolfsburg an?
Diese Spiele sind immer knifflig, da es vom Papier her so aussieht, dass wir der klare Favorit sind. Aber diese Denkweise ist falsch und kann schnell nach hinten losgehen. Die Mannschaften, die unten drinstehen, werfen alles rein, weil sie auf keinen Fall absteigen möchten. Ich denke, dass das auch ein Grund dafür ist, weshalb diese Duelle nicht ganz so schön anzusehen sind. In Mainz haben wir uns dem Kampfmodus angepasst. In Wolfsburg wird es allerdings ein anderes Spiel werden. Ich bin aber überzeugt davon, dass unser Trainerteam wieder einen passenden Matchplan finden wird. Natürlich ist es unser Ziel, erneut drei Punkte mitzunehmen.

Gegen Wolfsburg hast du vor etwas mehr als zwei Jahren auch dein Bundesligadebüt gefeiert. Warst du damals sehr aufgeregt, als du den Platz betreten hast?
Es war ein ganz besonderer Moment für mich, auf den ich lange hingearbeitet habe. Natürlich war ich aufgeregt, das ist doch klar. Aber als ich in der Schlussphase eingewechselt wurde, lagen wir bereits mit 3:0 in Führung. Da konnte nicht mehr viel anbrennen (lacht).

Bei den Wölfen spielen mit Maximilian Arnold und Yannick Gerhardt zwei Akteure, mit denen du im vergangenen Sommer die U21-Europameisterschaft gewonnen hast. Gab es im Vorfeld des anstehenden Duells Kontakt?
Mit Yannick Gerhardt schreibe ich ab und zu über Snapchat. Aber es ist jetzt nicht so, dass wir vor direkten Duellen häufiger texten. Ich denke, da ist jeder von uns auch total auf das Spiel fokussiert.

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass du dich als Schirmherr für das Hilfsprojekt ‚Anstoß zur Hoffnung‘ engagierst. Wie kam es dazu?
Ich habe schon seit längerer Zeit den Wunsch gehabt, ein Projekt zu finden, bei dem ich mich einbringen kann. Zu ‚Anstoß zur Hoffnung‘ habe ich eine enge Verbindung, da meine Mutter aus Burundi stammt und mein Vater dort viele Jahre gearbeitet hat. Mich macht es glücklich, dass ich Menschen, denen es nicht so gut geht, helfen kann.

Ich möchte Menschen, denen es nicht so gut geht, helfen.

Thilo Kehrer

Was genau ist das Ziel?
Durch das Projekt wird Menschen und besonders Kindern durch Fußball und Entwicklungszusammenarbeit in mehreren Ländern nachhaltig geholfen. Durch gemeinsamen Sport und ganzheitliche Bildung lernen die Kinder auf spielerische Art und Weise Grundwerte wie Ehrlichkeit, Selbstwert, Pünktlichkeit, soziales Verhalten und andere Lebenskompetenzen.

Wie können unsere Fans das Projekt unterstützen?
Ich bin bereits mit den Verantwortlichen der vereinseigenen Stiftung Schalke hilft! im Austausch. Da möchten wir in Kürze etwas für ‚Anstoß zur Hoffnung‘ auf die Beine stellen und die Fans dabei einbinden. Jede Hilfe ist herzlich willkommen. Ausführliche Infos zum Projekt gibt es auf anstoss-zur-hoffnung.de.

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