Youri Mulder: Hoffe auf ein Fußballfest

Vor den beiden Viertelfinal-Duellen in der Europa League mit Ajax Amsterdam sieht Youri Mulder gute Chancen für die Königsblauen. Im Interview, das der Schalker Kreisel anlässlich der Eurofighter-Serie mit dem sympathischen Niederländer geführt hat, spricht er über das Duell mit dem Traditionsverein aus seiner Heimat und Parallelen zu 1997.

Youri Mulder, Königsblau trifft im Viertelfinale der Europa League auf Ajax Amsterdam, für das Sie 1989 ein Jahr gespielt haben. Was erwartet Schalke?

Erst mal hoffe ich auf ein ähnliches Fußballfest wie 1997 in Mailand. Ich gehe davon aus, dass viele Schalker die kurze Reise antreten werden. Anfang April, schönes Wetter: Der Dam (Hauptplatz, Anm. d. Red.) soll am besten komplett blau erstrahlen. Vielleicht organisieren sich ja auch die Fans, die nicht im Stadion, aber in der Stadt sein werden.

Und sportlich?

Ich habe Ajax im Rückspiel gegen den FC Kopenhagen gesehen – da waren sie richtig gut. Ich habe sie aber auch den Sonntag danach bei Excelsior Rotterdam gesehen – da waren sie richtig schlecht. Zu Hause haben sie eine Chance, aber auf Schalke sollten wir alles klarmachen. Amsterdams junge Mannschaft hat noch wenig Konstanz. Es ist etwas vergleichbar mit dem S04 in dieser Saison, aber hier hat sich nun anscheinend eine Formation gefunden, die richtig tickt. Es werden auf jeden Fall zwei schöne Spiele.

Was würden Sie dem Team empfehlen?

Wir hatten damals eine gute Mischung zwischen Freude auf die Spiele und etwas Angst. Egal gegen wen, du darfst bloß nicht denken: Ouh, Scheiße, das wird schwierig hier. Man sollte Respekt, aber Lust haben, gegen den Ball zu kicken – und mal einen umtreten, natürlich (lacht). Man mag meinen, Ajax hat eine Jugendmannschaft, doch aus dem Nichts fängst du dir vielleicht ein Tor. Wenn du sie derart unterschätzt, dann könntest du, wie man in den Niederlanden sagt, von einer kalten Kirmes zurückkommen.

Kann der S04 anno 2017 schon Fußstapfen in Eurofighter-Größe füllen?

Schalke ist topfit, hat sehr gute Techniker. Physisch müssen wir uns keine Sorgen machen. Der Kopf muss mitspielen. Alle müssen vom Weg überzeugt sein und als Einheit agieren. Inter Mailand hatte damals Zamorano und wie sie alle hießen. Wir haben uns gesagt: „Eigentlich müssten die stärker sein – aber wir haben mehr Lust zu spielen!“ Die Fans wollen doch auch Jungs sehen, die füreinander kämpfen und Spaß am Spiel haben. So etwas kann man kaum steuern, das entsteht. Vielleicht schon dieses Jahr. Neben Erfolgserlebnissen braucht man dafür auch negative Erfahrungen. Siehe das 1:1 daheim gegen Gladbach. Dann liegst du dort zur Pause mit 0:2 zurück und bekommst plötzlich einen riesigen Schub. Das kann noch sehr wertvoll sein.

Viele sagen, Schalke hätte Glück gehabt. Das war so – aber wir haben vor 20 Jahren auch Glück gehabt. Wenn heute alle schwärmen, was für eine super Mannschaft wir waren, darf man nicht den Ball von Mike Büskens vergessen: nach verschossenem Elfmeter in den Winkel des Brügger Tors; oder den Ball von Zamorano, der eben auf die Latte ging und nicht rein. Glück gehört dazu.

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