Marcin Kaminski: Gefeierter statt tragischer Held in Hannover

„Ausgerechnet“ – ein im Sportjournalismus inflationär gebrauchtes Wort, das am Freitag (15.10.) um 20.26 Uhr aber doch seine Berechtigung hatte. „Ausgerechnet“ Marcin Kaminski war es, der für den FC Schalke 04 in der fünften Minute der Nachspielzeit den Siegtreffer bei Hannover 96 erzielte. „Ausgerechnet“ der Schalker Innenverteidiger, der rund 40 Minuten zuvor noch zwei Großchancen zur 1:0-Führung ausgelassen hatte.

Marcin Kaminski

„Ich bin sehr glücklich, dass die dritte dann drin war“, sagt Kaminski strahlend zu seinem entscheidenden Tor in der Nachspielzeit. „Ich war sauer, dass ich davor nicht getroffen habe“, ergänzt der Abwehrspieler, dessen Chance in der 53. Minute zusammen mit Mehmet Can Aydins Pfostenschuss nach zwölf Zeigerumdrehungen bis zur Schlussphase die beste der Partie war. Nach einer Freistoß-Hereingabe von Thomas Ouwejan sprang der Ball zu Victor Pálsson, dessen Schussversuch Julian Börner zu Kaminski abblockte, der aus kurzer Distanz den Ball nicht im Netz unterbrachte, sondern stattdessen Ron-Robert Zieler eine starke Parade ermöglichte. 120 Sekunden später verlängerte Pálsson nach Ouwejan-Eckball, das Spielgerät landete erneut bei Kaminski, der aus diesmal sechs Metern übers Tor zielte. „Marcin war uns einen schuldig“, witzelt Teamkollege Simon Terodde angesprochen auf Kaminskis vergebene Torchancen und ist froh darüber, „dass Marcin uns am Ende gerettet hat“.

Sehenswerter Treffer in Torjäger-Manier

23 Mal hatten die Knappen bis tief in die Nachspielzeit hinein das gegnerische Tor anvisiert, 23 Mal wollte der Ball nicht über die Linie springen. Bis zum 24. Versuch in der 95. Minute. Bei einem Einwurf nahe der Eckfahne war Kaminski mit aufgerückt. Den Einwurf wehrte Hannover unzureichend zu Dominick Drexler ab, dessen Hereingabe Pálsson mit dem Kopf in Richtung Kaminski verlängerte. Technisch hochwertig nahm der 29-Jährige den Ball mit der Hacke an, drehte sich und traf eiskalt wie ein Torjäger aus zehn Metern mit links zum viel umjubelten und verdienten 1:0-Erfolg ins linke Eck. „Er war früher auch mal Stürmer – und heute hat er das unter Beweis gestellt“, spricht Terodde die Vita seines Teamkollegen an. Chef-Trainer Dimitrios Grammozis zeigt sich mit der Leistung Kaminskis, so wie mit der der gesamten Mannschaft, sehr zufrieden. „Er hat unserem Spiel im Aufbau sehr viel Ruhe gegeben und hat immer eine gute Lösung gefunden“, sagt der Fußballlehrer. „Er wollte den Ball unbedingt reinmachen und war sehr erleichtert, dass ihm das noch gelungen ist.“

Ein Sieg für Mannschaft und Fans

Für Kaminski selbst zählt in erster Linie, „dass wir die drei Punkte geholt haben. Das haben wir uns verdient.“ Er wollte beim Einwurf unbedingt mit nach vorne gehen, um die Chance zu erhöhen, dass sich die Mannschaft für ihre gute Leistung mit drei Punkten belohnt. „Ich stand genau richtig und dann haben wir dieses Tor gemacht“, sagt Kaminski lächelnd, den der Sieg umso mehr freut, da die Knappen in der Liga zum dritten Mal in Serie ohne Gegentor geblieben sind, „was auch sehr geil ist“, so Kaminski. „Und dann haben wir den Sieg sogar vor unseren vielen mitgereisten Fans geholt“, freut sich der Linksfuß, der sich auf dem Erfolg aber nicht ausruhen möchte. „Jetzt müssen wir weitermachen!“

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