S04 trauert um Friedel Rausch

Neun Jahre lang spielte Friedel Rausch von 1962 bis 1971 in Königsblau, 1977 führte er den FC Schalke 04 als Trainer fast zur Deutschen Meisterschaft. In der Nacht auf Samstag (18.11.) ist der gebürtige Duisburger, der zuletzt mit seiner Familie in der Schweiz lebte, im Alter von 77 Jahren verstorben.

Als Abwehrspieler bestritt Rausch in der Oberliga und Bundesliga insgesamt 195 Partien im blau-weißen Trikot, dabei gelangen ihm sieben Treffer. Die sicherlich kurioseste Szene seiner Laufbahn ereignete sich am 6. September 1969 im Derby. Als Hansi Pirkner in der 37. Minute die Schalker Führung erzielte, stürmten allzu begeisterte königsblaue Fans den Platz.

Die BVB-Ordner waren nicht mehr Herr der Lage und ließen die Hunde los. Die pflichtbewussten Tiere schienen ein Faible für die Farbe Blau zu haben: Statt auf die Fans stürzten sich die Schäferhunde auf die Schalker Spieler. Friedel Rausch und Gerd Neuser erwischte es – Neuser erlitt einen Biss in den Oberschenkel, Rausch traf es am Allerwertesten. „Die Schmerzen waren tierisch“, stöhnte Rausch seinerzeit. Als „Andenken“ blieb „eine sechs Zentimeter lange Narbe auf der rechten Po-Backe“.

Die Knappen nahmen den Zwischenfall letztlich mit Humor: Im Rückspiel postierte Präsident Günter Siebert echte (aber zahme) Löwen aus dem Löwenpark Westerholt als tierisches Wachpersonal vor der Seitenwahl an der Mittellinie. Die ganze Liga lachte über den gelungenen Gag.

Im Anschluss an seine aktive Laufbahn wurde Rausch zunächst Jugendtrainer auf Schalke und später Assistent von Max Merkel. Am 10. März 1976 – der S04 war zu diesem Zeitpunkt sportlich nicht mehr in der Spur – wurde er von Präsident Siebert kurzerhand vom „Co“ zum Chef berufen. Diese Entscheidung sollte sich zu diesem Zeitpunkt als goldrichtig erweisen. Denn Rausch gelang es, aus der Ansammlung von Stars um Norbert Nigbur, Klaus Fichtel, Rolf Rüssmann, Hannes Bongartz, Branko Oblak, Rüdiger Abramczik, Klaus Fischer sowie die Kremers-Zwillinge Helmut und Erwin auch eine Mannschaft zu formen. Im Endspurt der Saison erreichten die Königsblauen unter seiner Leitung noch einen UEFA-Cup-Platz.

Die Erfolgsserie setzte sich auch in der folgenden Spielzeit fort, in der die Knappen nur hauchdünn an der Meisterschaft vorbeischrammten. Mit einem Punkt Rückstand auf Titelträger Borussia Mönchengladbach landete Rauschs Team auf dem zweiten Tabellenplatz. Und auch die Saison 1977/1978 begann so wie die vergangene beendet worden war: Vielversprechend. Trotz eines 1:7 beim FC Bayern München führten die Knappen nach zwölf Spieltagen die Liga an.

Eine Negativserie von vier Niederlagen und einem Unentschieden ließ die Schalker jedoch bis auf Rang zehn abstürzen. Zu allem Überfluss schied der S04 sowohl im UEFA-Cup als auch im DFB-Pokal aus. Rauschs Zeit an der Schalker Seitenlinie endete schließlich im Dezember 1977. Es folgten weitere Trainerstationen im In- und Ausland. Seinen größten Erfolg feierte Rausch mit Eintracht Frankfurt. Mit den Hessen gewann der Coach im Jahr 1980 den UEFA-Cup. Überdies führte er den FC Luzern 1989 zur Schweizer Meisterschaft und gewann 1992 den Schweizer Pokal.
Der FC Schalke 04 wird Friedel Rausch stets ein ehrendes Andenken bewahren.

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